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Schröder‑Nostalgie wächst in der SPD — Partei ringt mit Identitätskrise nach Wahlschlappen

Debatten über Reformvorschläge und Verweise auf die Agenda 2010 führen in Teilen der deutschen Presse zu einer überraschend positiven Neubewertung des früheren Kanzlers Gerhard Schröder.

Katja Hoyer 2 Min Lesezeit
Titelbild: Schröder‑Nostalgie wächst in der SPD — Partei ringt mit Identitätskrise nach Wahlschlappen
Während die SPD in Umfragen schwächelt, wird der 81‑jährige Ex‑Kanzler erneut als Symbol für Durchsetzungsfähigkeit und Reformwillen genannt – trotz seiner umstrittenen Verbindungen zu Russland.

Nach Angaben der jüngsten Medienberichterstattung hat eine Welle von Kommentaren in deutschen Zeitungen in den vergangenen Tagen die öffentliche Aufmerksamkeit für Gerhard Schröder wiederbelebt. Im Zentrum steht der Vergleich zwischen jüngsten Reformvorschlägen der SPD‑Führung und dem Politikstil Schröders, der Ende der 1990er und Anfang der 2000er Jahre mit der Agenda 2010 prägend war.

Zugleich erinnert die Debatte daran, dass Schröders Wirken ambivalent bewertet wird. Während seiner Kanzlerschaft baute er enge Energiebeziehungen zu Russland auf und trieb Projekte wie die Nord‑Stream‑Pipelines voran. Nach dem Ausscheiden aus dem Amt übernahm er Posten in Gremien russischer Energiekonzerne, unter anderem bei Rosneft und in einem Nord‑Stream‑Gremium, was nach dem groß angelegten Angriff Russlands auf die Ukraine 2022 scharfe Kritik auslöste.

Inzwischen sind Schröders Russlandkontakte zentraler Grund für seine umstrittene öffentliche Stellung geblieben. Eine Umfrage aus 2022 zeigte, dass drei Viertel der Befragten seine Ausgrenzung aus der Partei befürworteten; unter Anhängern der SPD lag der Wert sogar bei 79 Prozent. Zuletzt gab der ehemalige Kanzler einen Rechtsstreit um sein öffentlich finanziertes Büro auf, und die Regierung stellte die dafür vorgesehenen Mittel ein.

Gleichzeitig konstatiert die aktuelle Kommentierung, dass die wiederaufkommende Schröder‑Nostalgie weniger eine tatsächliche Rehabilitation seiner Russlandpolitik darstellt als Ausdruck einer tiefen Identitätskrise der Partei. Viele in der SPD scheinen vor allem politische Schlagkraft und Popularität zu vermissen, jene Qualitäten, die Schröder in den Wahlerfolgen von 1998 und 2002 auszeichneten. Vor diesem Hintergrund erklärt sich das ungewöhnlich wohlwollende Echo in Teilen der Presse auf Anklänge an seine Agenda.