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Tschechien setzt auf massiven Ausbau der Kernenergie – Staat trägt Großteil der Finanzierung

Prag plant, mit Verträgen aus Südkorea und Großbritannien sowie umfangreichen staatlichen Krediten die Atomkapazitäten rasch zu erweitern, um Versorgungssicherheit zu stärken und Stromexporte abzusichern.

JKCM News Redaktion 2 Min Lesezeit
Titelbild: Tschechien setzt auf massiven Ausbau der Kernenergie – Staat trägt Großteil der Finanzierung
Die Regierung peilt bis 2040 einen Kernenergieanteil von 68 Prozent an und setzt dafür auf ein €18‑Milliarden‑Projekt, staatliche Kreditgarantien und Kooperationen bei kleinen modularen Reaktoren.

Nach Angaben der Regierungspläne und jüngster Vereinbarungen treibt Tschechien den Ausbau der Kernenergie in großem Umfang voran. Die sechs Reaktoren an den Standorten Dukovany und Temelín liefern derzeit rund 40 Prozent des Stroms; das aktualisierte Nationale Energie- und Klimaprogramm sieht einen Anstieg auf 68 Prozent bis 2040 vor.

Im Mittelpunkt steht ein im Juni 2025 geschlossener Vertrag mit dem südkoreanischen Anbieter KHNP: Geplant sind zwei APR‑1000‑Reaktoren zu je 1.050 Megawatt in Dukovany. Der Baubeginn ist für 2029 vorgesehen, die erste Einheit soll 2036 ans Netz gehen. Die anfängliche Investition wird mit rund €18 Milliarden beziffert; eine Option für zwei weitere Einheiten in Temelín besteht ebenso wie Bestrebungen zur Einbindung kleiner modularer Reaktoren.

Die Finanzstruktur ist stark staatlich geprägt. Der staatliche Versorger ČEZ, der etwa 70 Prozent der Erzeugungskapazität kontrolliert, wird durch staatliche Kredite unterstützt, die 70 bis 80 Prozent der Projektkosten abdecken sollen; diese Unterstützung wurde von der Europäischen Kommission freigegeben. Insgesamt ist neue Kapazität von bis zu 2.570 Megawatt geplant, womit Tschechien seine Rolle als bedeutender Stromerzeuger in der Region ausbauen will.

Die Entscheidung begründet die Regierung mit aktuellen Versorgungsrisiken. Unterbrechungen der Lieferketten infolge des Iran‑Konflikts und Störungen in der Straße von Hormus haben die Bedeutung zuverlässiger Basislaststromversorgung für Industrie sowie wachsende Sektoren wie Rechenzentren und Elektromobilität hervorgehoben. Das Land exportiert rund 15 Terawattstunden Strom jährlich und sieht in der Atomkraft eine Quelle für regionale Netzstabilität.

Gleichzeitig warnen Experten vor den Herausforderungen. Der Energieökonom Alexander Roth weist auf hohe Kosten und lange Bauzeiten neu errichteter Reaktoren in Europa hin und bezweifelt, ob Zeitpläne und Kostenrahmen eingehalten werden können. Trotz dieser Vorbehalte bleibt die öffentliche Zustimmung in Tschechien hoch: Umfragen nennen Zustimmungswerte zwischen 71 und 78 Prozent, 77 Prozent erwarten demnach positive nationale Effekte.

Daneben hat der Ausbau eine klare politische Dimension: Er ist Bestandteil des Fahrplans für den Kohleausstieg, der die Stilllegung der Kohlekraftwerke bis 2033 vorsieht. Mit den nun vorliegenden Vertrags‑ und Finanzinstrumenten positioniert sich Prag innerhalb des Visegrád‑Raums als Vorreiter, dessen Beschaffungsmodell und staatliche Kreditgarantien von Nachbarstaaten genau beobachtet werden.