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Ungarns neuer Ministerpräsident Péter Magyar entschuldigt sich bei unter Orbán Geschädigten

In seiner Antrittsrede bat Magyar um Verzeihung für Diffamierung und Repressionen gegen Kritiker; sein Ton kontrastiert deutlich mit dem von Viktor Orbán, der die Zeremonie schwänzte.

JKCM News Redaktion 2 Min Lesezeit
Titelbild: Ungarns neuer Ministerpräsident Péter Magyar entschuldigt sich bei unter Orbán Geschädigten
  • Magyar forderte Einheit und kündigte eine freiere, menschlichere Politik an
  • Orbán wiederholte stattdessen warnende Rhetorik zur nationalen Souveränität.

Nach Angaben aus seiner ersten Rede als Ministerpräsident entschuldigte sich Péter Magyar unmittelbar nach seiner Vereidigung bei denen, die in der Amtszeit seines Vorgängers stigmatisiert oder schikaniert worden seien. Er wandte sich an Zivilisten, Lehrkräfte, Journalisten, Gesundheits­personal und weitere Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, die wegen abweichender Meinungen persönliche Nachteile erlitten hätten, und sagte: Ich entschuldige mich.

Im Mittelpunkt seiner Ansprache stand der Aufruf zur Versöhnung. Magyar forderte die Ungarn auf, zusammenzukommen, und versprach, ein Land aufzubauen, das freier, menschlicher und hoffnungsvoller sei. Was uns verbindet, wird stärker sein als das, was uns trennt, sagte er und betonte, dass ganz Ungarn Heimat sein solle und jeder einen Platz in der Nation finden könne.

Nach dem Schritt, in dem er konkrete Missstände ansprach, nannte Magyar Beispiele aus den vergangenen Jahren, in denen kritische Stimmen durch staatliche Maßnahmen belastet worden seien. Er erwähnte Fälle wie die Anklagen gegen den liberalen Budapester Bürgermeister Gergely Karácsony und einen Roma‑Organisator in Pécs wegen der Organisation von Pride‑Veranstaltungen sowie die Vorwürfe gegen einen prominenten investigativen Journalisten. Diese Anklagen waren nach dem Wahlsieg von Magyar und seiner Tisza‑Partei fallengelassen worden.

Zugleich blieb Viktor Orbán der Vereidigungszeremonie fern und brach damit mit einer langjährigen Tradition, seinen Nachfolger zu begrüßen. In den folgenden Tagen bekräftigte Orbán seine skeptische Linie gegenüber EU‑Politik und warnte davor, nationale Souveränität für finanzielle oder politische Zugeständnisse aufzugeben. Seine Rhetorik steht in einem klaren Gegensatz zu Magyars Versöhnungsappell.

Daneben sehen Analysten und Beobachter in Magyars Rede einen symbolischen Schritt zur gesellschaftlichen Aussöhnung nach 16 Jahren unter Orbán. Veronika Kövesdi von der Budapester Eötvös‑Loránd‑Universität wertete die Ansprache als Beitrag zum Wiederaufbau gesellschaftlichen Vertrauens, mahnte jedoch, Versöhnung dürfe nicht mit Vergessen verwechselt werden. Magyar bereitet unterdessen die Nominierungen für sein Kabinett vor, während in der Öffentlichkeit sowohl materielle als auch emotionale Erwartungen an die neue Regierung bestehen.