Unterwasserdoku: Über 1.000 römische Artefakte aus Neuenburgersee geborgen
Taucher der Octopus Foundation bargen über 1.000 gut erhaltene Keramikobjekte und Metallfunde aus einem Ladungsdepot im Neuenburgersee, das vermutlich zwischen 20 und 50 n. Chr. sank.
- Die Funde reichen von Töpferware mit Speiseresten bis zu Ausrüstungsstücken, die auf eine Eskorte durch Legionäre hindeuten
- Reinigung, Restaurierung und Präsentationspläne laufen.
Nach Angaben der Taucher umfasst die geborgene Ladung zahlreiche keramische Gefäße, von denen einige Spuren von Nahrungsresten aufweisen, sowie Metallobjekte, die als Ausrüstungsgegenstände von Legionären gedeutet werden. Zu den beschriebenen Stücken zählen zwei Gladiatorenschwerter, ein Dolch, eine Gürtelschnalle und eine Fibula. Ein in einer Kiste datiertes Fundstück trägt die Jahreszahl 17 n. Chr., was die zeitliche Einordnung der Funde stützt.
Im Mittelpunkt der Entdeckung steht zudem ein ungewöhnlich gut erhaltenes Weidenkörbchen im Seetont, das sechs keramische Gegenstände enthält. Diese Stücke unterscheiden sich in ihrer Machart von der übrigen Ladung; das Team wertet sie als schlichtere Gebrauchsgegenstände der Schiffsbesatzung. Die Kombination aus feineren Töpferwaren und einfachen Gebrauchskeramiken liefert Hinweise auf die Zusammensetzung der Ladung und mögliche Nutzer an Bord.
Nach dem Bergungs- und Sicherungsprozess wurden alle Artefakte an Land gebracht und befinden sich derzeit in der Reinigungs- und Restaurierungsphase. Restauratorinnen und Restauratoren werden anschließend Details wie Herstellersiegel, Speisereste oder Schutzmaterialien zwischen Tellern freilegen, die unter Wasser durch Sedimentwolken schwer zu erkennen waren. Diese Arbeiten sollen Erkenntnisse zur Herstellungstechnik, Nutzung und Lagerung der Gegenstände ermöglichen.
Zugleich bereitet die Octopus Foundation Kommunikationsmaßnahmen vor: Geplant sind ein Buch, eine Dokumentation und eine Ausstellung im Laténium in Neuchâtel; Termine stehen noch aus. Die Taucher gaben an, die Bergung zunächst geheim gehalten zu haben, um Diebstahl und Beschädigungen zu verhindern. Die bislang gehobenen Objekte – etwas mehr als 1.000 Stück – waren demnach in Gefahr, durch Anker, Netze oder Plünderer Schaden zu nehmen.
Inzwischen werfen die Funde auch Fragen zu Funktion und Kontext der Ladung auf. Die Mischung aus Küchenutensilien und militärischen Ausrüstungsgegenständen lässt die Deutung zu, dass das Schiff Güter an eine militärische Einheit transportierte und möglicherweise von Begleittruppen eskortiert wurde. Weitere Analysen der restaurierten Objekte sollen Klarheit über Herstellung, Nutzung und die Umstände des Untergangs bringen.