JKCM News
Startseite
Energie

US-Rohöllager springen um 16 Millionen Barrel – Ölpreis rutscht ins Minus

Ein ungewöhnlich großer Lageraufbau in den USA hat den Ölmarkt am Mittwoch trotz geopolitischer Risiken gedreht.

JKCM Desk 2 Min Lesezeit
Titelbild: US-Rohöllager springen um 16 Millionen Barrel – Ölpreis rutscht ins Minus
  • Die US-Energiebehörde meldet für die Woche bis 20 Februar einen Aufbau der kommerziellen Rohöllager um 16 Millionen Barrel auf 435,8 Millionen Barrel.
  • Raffinerien fuhren die Verarbeitung zurück: Die Auslastung lag bei 88,6% und der Durchsatz im Schnitt bei 15,7 Millionen Barrel pro Tag.
  • Rohölimporte stiegen auf 6,7 Millionen Barrel pro Tag, während Benzinbestände um 1,0 Millionen Barrel sanken.
  • Brent notierte bei rund 70,65 US-Dollar, WTI bei etwa 65,37 US-Dollar, als die Daten die Kurse belasteten.

Der US-Ölmarkt hat in der Woche bis zum 20. Februar einen deutlichen Lageraufbau verzeichnet. Die Energy Information Administration (EIA) meldete einen Anstieg der kommerziellen Rohöllager (ohne strategische Reserve) um 16,0 Millionen Barrel auf 435,8 Millionen Barrel. Damit liegen die Bestände nach EIA-Angaben zwar weiterhin rund drei Prozent unter dem Fünfjahresschnitt für diese Jahreszeit, der Sprung war jedoch so groß, dass er die Preisrichtung kurzfristig dominierte.

Der Bericht liefert mehrere Bausteine für die Erklärung: Raffinerien verarbeiteten im Wochendurchschnitt 15,7 Millionen Barrel pro Tag – 416.000 Barrel pro Tag weniger als in der Vorwoche – und liefen mit 88,6% ihrer operablen Kapazität. Eine niedrigere Raffinerieauslastung kann Rohölbestände steigen lassen, wenn gleichzeitig das Zuflussniveau in die Lager stabil bleibt oder zunimmt.

Auf der Importseite zeigte sich ebenfalls Rückenwind für die Lager. Rohölimporte lagen im Schnitt bei 6,7 Millionen Barrel pro Tag und damit 136.000 Barrel pro Tag höher als eine Woche zuvor. Über vier Wochen betrachtet lagen die Importe mit etwa 6,5 Millionen Barrel pro Tag zudem knapp fünf Prozent über dem Vorjahresniveau. In Kombination mit der geringeren Verarbeitung erhöht das die Wahrscheinlichkeit, dass mehr Rohöl in den Tanks landet.

Bei den Produkten zeichnet der Bericht ein gemischtes Bild: Die gesamten Benzinbestände sanken um 1,0 Millionen Barrel, lagen aber weiterhin etwa drei Prozent über dem Fünfjahresschnitt. Destillatbestände (unter anderem Diesel und Heizöl) stiegen um 0,3 Millionen Barrel und lagen rund fünf Prozent unter dem Fünfjahresschnitt. Insgesamt erhöhten sich die kommerziellen Bestände an Erdöl und Produkten laut EIA um 11,2 Millionen Barrel.

An den Terminmärkten überwogen nach Veröffentlichung der Daten die kurzfristig bärischen Signale. Brent-Futures drehten ins Minus und lagen zeitweise bei rund 70,65 US-Dollar je Barrel, WTI bei etwa 65,37 US-Dollar. Auffällig war zudem, dass der statistische Anpassungsposten der EIA, der nicht zugeordneten Bestandsveränderungen abbildet, in der Woche auf einen außergewöhnlich hohen Wert stieg – ein Hinweis darauf, dass Teile der Bewegung in den Daten nicht unmittelbar über gemessene Flüsse erklärbar sind.

Für die nächsten Wochen wird entscheidend sein, ob sich der Lageraufbau wieder normalisiert. In dieser Phase des Jahres können Wartungen und Umstellungen in Raffinerien die Verarbeitung dämpfen; zugleich reagieren Importe auf Preis- und Frachtanreize mit Verzögerung. Bestätigt der nächste Bericht den Trend, dürfte der Markt stärker über das reale Angebotsüberhangrisiko diskutieren. Bleibt der Sprung ein Ausreißer, rückt die Aufmerksamkeit vermutlich wieder schneller auf geopolitische Risiken und die OPEC+-Förderpolitik.