US‑Techfirmen gedrängt, EU‑Regel zu verschärfen – Rechenzentrums‑Emissionen vor Öffentlichkeit abgeschirmt
Interne Unterlagen zeigen, dass Formulierungen, die einzelne Leistungskennzahlen von Rechenzentren als vertraulich einstufen, nahezu wörtlich aus Forderungen von US‑Technologiekonzernen und Branchenverbänden stammen.
Nach Angaben einer Recherche von Investigate Europe und Medienpartnern haben Microsoft und weitere US‑Technologiekonzerne erheblich darauf eingewirkt, dass eine EU‑Regel die Veröffentlichung detaillierter Umweltdaten von Rechenzentren einschränkt. Forderungen, individuelle Leistungskennzahlen als vertraulich zu behandeln, seien weitgehend unverändert in den Text übernommen worden, den die Europäische Kommission anschließend veröffentlichte.
Im Mittelpunkt der Kritik steht eine Geheimhaltungsregel, die Forschern und der Öffentlichkeit den Zugang zu standortbezogenen Kennzahlen versperrt. Statt detaillierter, einzelner Angaben bleiben nur aggregierte, nationale Zusammenfassungen der Energieverbräuche und Emissionen zugänglich. Die Änderung folgte öffentlichen Konsultationen im Januar 2024, in denen Unternehmen kommerzielle Interessen als Begründung für die Geheimhaltung nannten.
Nach dem Schritt, mit dem die Kommission 2023 die Energieeffizienzrichtlinie überarbeitete und Betreiber zur Meldung von Schlüsselkennzahlen verpflichtete, haben Einreichungen von Branchenvertretern offenbar direkten Einfluss auf die Ausgestaltung der Vertraulichkeitsklausel genommen. Zu den Einreichenden zählten nicht nur Microsoft, sondern auch Verbände wie DigitalEurope und Video Games Europe, die große Cloud‑ und Plattformbetreiber vertreten.
Zugleich haben Dokumente gezeigt, dass die neue Regel bereits angewandt wurde, um Anfragen von Medien und Öffentlichkeit abzuweisen. Ein Hinweis eines hohen Kommissionsmitarbeiters erinnerte nationale Behörden an ihre Pflicht, alle Informationen und Schlüsselkennzahlen für einzelne Rechenzentren vertraulich zu behandeln, wodurch Zugänge zu den Daten bisher verweigert wurden.