Video widerlegt ICE‑Darstellung zu Schüssen in Minneapolis – Behörden prüfen Konsequenzen
Überwachungsvideo stellt Darstellung von ICE-Agenten infrage; Disziplinarverfahren und mögliche Strafverfolgung gegen beteiligte Beamte eingeleitet.
Nach Angaben der Ermittler haben neu veröffentlichte Überwachungsaufnahmen die Schilderung zweier ICE‑Einsatzkräfte zu einer Schussabgabe am 14. Januar in Minneapolis erheblich in Frage gestellt. Die Originaldarstellung der Beamten, die einen gewalttätigen Angriff schilderten, wird durch die Bilder nicht gestützt, sodass die anfänglichen Vorwürfe gegen die Beschuldigten scheiterten.
Im Mittelpunkt der Ermittlungen steht der Venezuelaner Julio Sosa Celis, der den Aufnahmen zufolge mit einer Schneeschaufel am Eingangsbereich eines Wohnhauses stand. Zuvor hatten ICE‑Agenten versucht, ein Fahrzeug des Landsmanns Alfredo Aljorna anzuhalten; dieser war geflohen und es kam nach einem Zusammenstoß zu einer Schussabgabe, die Sosa Celis am Oberschenkel traf.
Unterdessen hat die Leitung von ICE auf die neuen Erkenntnisse reagiert: Die beteiligten Einsatzkräfte wurden vorläufig von Dienstpflichten entbunden. Die Staatsanwaltschaft prüft mögliche strafrechtliche Schritte wegen falscher Aussage, und eine interne Überprüfung kann disziplinarische Maßnahmen bis zur Entlassung nach sich ziehen. Ein ICE‑Sprecher wies darauf hin, dass falsche Angaben unter Eid ein schwerwiegendes Bundesdelikt darstellen.
Zugleich reiht sich der Fall in eine Reihe von Vorfällen in Minneapolis ein, bei denen Videoaufnahmen staatliche Darstellungen von Gewalt durch Immigrationsbeamte in Zweifel zogen. Bereits tödliche Schüsse in früheren Fällen hatten erhebliche öffentliche Empörung ausgelöst und zu Veränderungen in den Führungsstrukturen der Strafverfolgung geführt.
Daneben äußerten Experten Zurückhaltung bei der Bewertung der jüngsten Schritte: Einige Beobachter sehen in Minnesotas Auseinandersetzung mit ICE den Beginn einer stärkeren Rechenschaftspflicht, während andere die Maßnahmen als ersten, aber noch nicht ausreichenden Schritt charakterisieren. Konkrete Entscheidungen über disziplinarische oder strafrechtliche Konsequenzen stehen derzeit noch aus.