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AI‑generierte 'slopaganda' beschleunigt Informationskrieg zwischen USA und Iran

Vom Weißen Haus veröffentlichte Kriegsvideos und iranische KI‑Clips, darunter virale Lego‑Darstellungen, verstärken Verwirrung und emotional aufgeladene Narrative in beiden Lagern.

Mark Alfano; Michał Klincewicz (The Conversation, via The Guardian) 2 Min Lesezeit
Titelbild: AI‑generierte 'slopaganda' beschleunigt Informationskrieg zwischen USA und Iran
Forscher prägen den Begriff 'slopaganda' für expressive, emotional aufgeladene KI‑Inhalte, die politische Botschaften verbreiten und den Faktenraum verwässern.

Nach Angaben der Autoren traten Anfang März, eine Woche nach den ersten US‑israelischen Schlägen auf Iran, koordinierte Medienmanipulationen auf beiden Seiten hervor. Das Weiße Haus veröffentlichte ein Video, das reale Angriffsaufnahmen mit Ausschnitten aus Filmen, Serien, Videospielen und Anime mischte. Als Reaktion fluteten iranische Unterstützer soziale Medien mit älteren Kriegsaufnahmen und einer Welle KI‑generierter Clips, die Angriffe auf Tel Aviv und US‑Stützpunkte zeigten.

Zugleich verbreiteten sich viral gewordene Videos, denen ein iranisches Team zugeschrieben wird und die prominente Personen als Lego‑Figuren darstellen. In diesen Clips treten Figuren wie Donald Trump, Jeffrey Epstein, Satan, Benjamin Netanyahu, Pete Hegseth und Ayatollah Khamenei auf. Die Autoren fassen dieses Phänomen unter dem Begriff 'slopaganda' zusammen — KI‑generierte Inhalte, die weniger auf Fakten als auf starke, expressive Wirkungen abzielen.

Im Mittelpunkt der Warnung steht, dass slopaganda mehrere Effekte gleichzeitig entfalten kann. Wiederholt ausgespielte, emotional aufgeladene Clips durchdringen Aufmerksamkeitsschwellen und umgehen kognitive Abwehrmechanismen, wodurch Empfänger eher reagibel werden. Gleichzeitig verwässern solche Materialien das epistemische Umfeld: Halbwahrheiten, kontextentstellte Sequenzen und bewusst irreführende Aufnahmen vermischen sich mit sauberer Berichterstattung und machen verlässliche Orientierung schwieriger.

In der Gesamtschau zeichnen die Autoren ein Bild eines Informationskriegs, der sich nicht mehr allein über traditionelle Propagandakanäle führt, sondern zunehmend über algorithmisch verstärkte, expressive Formen künstlicher Medienproduktion. Slopaganda sei dabei kein ausschließlich technisches Problem: Es handle sich zugleich um ein kommunikatives Phänomen, das psychologische Wirkmechanismen ausnutzt und die Unterscheidung zwischen Satire, Symbolik und gezielter Irreführung erschwert.