Air India: Führungsloch und Milliardendefizit verschärfen Krise vor Abschlussbericht
Wenige Wochen vor dem erwarteten AAIB‑Abschlussbericht zum Absturz von Flug AI‑171 steht Air India vor einer Zerreißprobe: CEO-Rücktritt, hohe Verluste und gehäufte Sicherheits- und Betriebsprobleme drohen die Privatisierungswende zu gefährden.
Nach Angaben steht Air India unter massivem Druck, während die indische Unfalluntersuchungsbehörde ihren endgültigen Bericht zum Absturz von Flug AI‑171 vorbereitet, der am 12. Juni 2025 kurz nach dem Start aus Ahmedabad verunglückte und 260 Menschen das Leben kostete. Die Katastrophe fällt in eine Phase, in der das Unternehmen bereits mit internen Spannungen und einem schwierigen externen Umfeld kämpft.
Im Mittelpunkt der aktuellen Krise steht der Rücktritt von Chief Executive Campbell Wilson Mitte 2026. Sein Ausscheiden hinterlässt nach Angaben ehemaliger Manager ein Führungsloch zu einem Zeitpunkt, an dem gerade strategische Weichenstellungen und eine zügige Umsetzung des nach der Privatisierung formulierten Fünfjahresplans erforderlich wären. Stimmen aus dem Umfeld des Unternehmens betonen, dass die Lücke in der Spitze die Koordinierung laufender Restrukturierungsbemühungen erheblich erschwere.
Daneben belasten hohe Verluste die Stimmung innerhalb der Eigentümerfamilie: Für das Jahr bis März 2026 werden dem Unternehmen dem Vernehmen nach Verluste in Milliardenhöhe zugeschrieben, was Air India zum größten Verlustträger innerhalb der Tata-Gruppe macht und intern sowie bei der Konzernspitze Besorgnis auslöst. Gespräche über eine intensivere Rolle von Singapore Airlines, die 25,1 Prozent an Air India hält, rückten zusätzlich in den Fokus, nachdem Führungskräfte des beteiligten Unternehmens im April in Mumbai konsultiert hatten.
Inzwischen erschweren auch externe Faktoren die Erholung. Lieferverzögerungen bei neuen Flugzeugen und ein angespanntes operatives Umfeld haben den Flottenausbau ausgebremst und damit geplante Verbesserungen bei Kapazität und Wirtschaftlichkeit verzögert. Die Kombination aus Führungswechsel, anhaltenden Betriebsstörungen und finanziellen Belastungen stellt die geplante Wende nach der Privatisierung vor erhebliche Herausforderungen.