Air India gerät vor Abschlussbericht zum Absturz von AI‑171 in Führungs‑ und Finanzkrise
Wenige Wochen vor dem Abschlussbericht zum Absturz in Ahmedabad verschärfen Führungs‑ und Finanzprobleme sowie anhaltende Sicherheitsfragen die Krise bei Air India.
Nach Angaben des BBC‑Berichts verschärft sich die Krise bei Air India kurz vor dem erwarteten Abschlussbericht der indischen Unfalluntersuchungsbehörde (AAIB) zum Absturz von Flug AI‑171 am 12. Juni 2025. Die Maschine war Sekunden nach dem Start in Ahmedabad abgestürzt; 260 Menschen verloren dabei ihr Leben. Der Vorfall und die laufende Aufarbeitung stehen im Mittelpunkt wachsender interner Spannungen und finanzieller Belastungen der Fluggesellschaft.
Gleichzeitig schafft der überraschende Rücktritt des Konzernchefs Campbell Wilson eine Führungslücke in einer Phase, in der die Gesellschaft eigentlich eine umfassende Neuausrichtung anstrebt. Medien berichten, die Airline habe für das am 31. März endende Geschäftsjahr Verluste von rund 2,4 Milliarden US‑Dollar ausgewiesen, womit sie derzeit als die verlustreichste Einheit im Tata‑Konzern gilt. Diese Zahlen haben intern zu Debatten über Kostensenkungen und Personalmaßnahmen geführt.
Daneben belasteten eine Reihe operativer Pannen und Sicherheitsfragen das Vertrauen in die Fluglinie. Bei einer Überprüfung der indischen Luftfahrtaufsicht wurden zuletzt 51 Verstöße gegen Sicherheitsvorgaben festgestellt, davon sieben als besonders schwerwiegend eingestuft. Zudem musste im März ein Langstreckenflug von Delhi nach Vancouver nach fast achtstündigem Flug umkehren, weil offenbar die erforderliche Freigabe für den kanadischen Luftraum nicht vorlag; die Airline gab lediglich betriebliche Gründe an.
Unterdessen soll der Vorstand laut Medienberichten Kostensenkungen diskutiert und die Belegschaft vor ‚harten Zeiten‘ gewarnt haben. Singapore Airlines, die einen Anteil von 25,1 Prozent hält, sandte im April Führungskräfte zum Tata‑Hauptsitz nach Mumbai, was Spekulationen über eine stärkere Einbindung des Partners nährte. Air India verweigerte eine detaillierte Stellungnahme auf Fragen des BBC‑Teams.
Zugleich belasten externe Faktoren die geplante Erholung: Lieferverzögerungen bei neuen Flugzeugen und weitere Betriebseffekte erschweren die Umsetzung des Fünfjahresplans zur Restrukturierung, den die Gesellschaft nach der Privatisierung verfolgt. Experten und frühere Manager heben hervor, dass interne Lücken in der Umsetzung und eine angespannte Außenlage zusammenkommen und die Erholungsbemühungen der Airline deutlich erschweren.