Aufhebung der Verurteilung im Murdaugh‑Fall: Neuer Prozess nach Einmischung einer Gerichtsschreiberin
Der Supreme Court von South Carolina setzte die Doppelmord‑Verurteilung aus 2023 außer Kraft; der Generalstaatsanwalt prüft eine Neuaufnahme des Verfahrens, auch mit Blick auf die Todesstrafefrage.
Nach Angaben des Obersten Gerichts von South Carolina ist die Verurteilung von Alex Murdaugh wegen des Mordes an seiner Ehefrau Margaret Maggie Murdaugh und seinem Sohn Paul Murdaugh aus dem Jahr 2023 aufgehoben worden. Die fünf Richter entschieden einstimmig, dass die Gerichtsangestellte Becky Hill durch Äußerungen gegenüber der Jury deren Unparteilichkeit beeinträchtigt und damit Murdaughs Recht auf ein faires Verfahren verletzt habe.
Im Mittelpunkt der Entscheidung steht die Feststellung, dass die Gerichtsschreiberin die Geschworenen aufforderte, auf Murdaughs Körpersprache zu achten und sich nicht von bestimmten Beweisführungen täuschen zu lassen. Das Gericht befand, Hill habe dadurch die Waage der Gerechtigkeit beeinflusst und das ursprüngliche Urteil entwertet. Die Verurteilung war in einem sechs Wochen dauernden Prozess ergangen; die Jury hatte nach Angaben nur rund zwei Stunden beraten.
Zugleich bleiben wesentliche Beweisfragen offen: Die tödliche Schusswaffe beziehungsweise Waffen wurden demnach nie gefunden, und es gibt keine physischen Belege, die Murdaugh zum Tatzeitpunkt an den Hundezwingern des Anwesens nachweisen. Während der ersten Verhandlung hatte die Anklage finanzielle Motive als mögliches Tatmotiv genannt; das Oberste Gericht stellte fest, dass entsprechende Hinweise in einem neuen Verfahren nicht erneut verwendet werden dürfen, weil sie unzulässige Vorurteile hervorriefen.
Inzwischen war Murdaugh zum Zeitpunkt der Entscheidung nicht persönlich im Gericht; Sicherheitsbestimmungen des Gefängnisses hatten ihm verweigert, die Übertragung live zu verfolgen, und Angehörige waren nicht im Saal. Unabhängig von der Aufhebung der Mordverurteilung befindet sich Murdaugh bereits in Haft und verbüßt eine 40‑jährige Haftstrafe wegen umfangreicher Finanzdelikte.