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Digitaler Euro: EZB beziffert Umstellungskosten für Banken auf 4 bis 6 Milliarden Euro

Die EZB rechnet damit, dass die Einführung des digitalen Euro die europäischen Banken über vier Jahre 4 bis 6 Milliarden Euro an Umsetzungskosten kostet, während der Aufbau bei der Notenbank auf rund 1,3 Milliarden Euro geschätzt wird.

JKCM Desk 2 Min Lesezeit
Titelbild: Digitaler Euro: EZB beziffert Umstellungskosten für Banken auf 4 bis 6 Milliarden Euro
  • Die Umsetzungskosten der Banken werden auf 4 bis 6 Milliarden Euro über vier Jahre geschätzt, der Aufbau bei der EZB auf rund 1,3 Milliarden Euro.
  • Die laufenden Betriebskosten bei der EZB werden mit etwa 300 Millionen Euro pro Jahr angegeben.
  • Der digitale Euro soll als Ergänzung zu Bargeld online und offline nutzbar sein und ein hohes Maß an Privatsphäre bieten.
  • Die EU-Mitgliedstaaten haben bereits eine Verhandlungsposition zum Rechtsrahmen beschlossen, die unter anderem Haltegrenzen und Gebührenobergrenzen vorsieht.
  • Als Zielmarke für einen möglichen Start wird 2029 genannt.

Die Einführung eines digitalen Euro könnte die europäischen Banken nach einer aktuellen Kostenschätzung über vier Jahre zwischen 4 und 6 Milliarden Euro kosten. Gleichzeitig wird der einmalige Aufbauaufwand bei der Europäischen Zentralbank auf rund 1,3 Milliarden Euro beziffert; hinzu kommen laufende Betriebskosten von etwa 300 Millionen Euro pro Jahr. Die Größenordnungen betreffen vor allem die technische Umsetzung, Anpassungen in bestehenden Systemen, Tests sowie den Rollout neuer Nutzer- und Händlerprozesse.

Die Kostenschätzungen wurden im Kontext einer Anhörung in Italien genannt, in der der zuständige EZB-Direktoriumsvertreter den Stand des Projekts erläuterte. Die EZB arbeitet demnach mit privaten Dienstleistern an der Infrastruktur, während Banken und andere beaufsichtigte Intermediäre die Schnittstelle zu den Nutzern bilden sollen. Für Verbraucher würde die Nutzung grundlegender Funktionen nach der bisherigen Konzeption kostenlos bleiben; Einnahmen für Zahlungsdienstleister würden aus einem Gebührenmodell entstehen, das sich an der Abwicklung orientiert.

Der digitale Euro ist als Ergänzung zu Bargeld konzipiert und soll in der gesamten Eurozone einsetzbar sein. In der technischen Ausgestaltung werden neben Online-Zahlungen ausdrücklich Offline-Funktionen betont, die Zahlungen auch bei eingeschränkter Konnektivität ermöglichen sollen. Zusätzlich werden Datenschutz und Privatsphäre als zentrale Designziele genannt, um digitale Zahlungen näher an Eigenschaften von Bargeld heranzuführen, ohne die Anforderungen an Geldwäsche- und Betrugsprävention auszublenden.

Politisch läuft das Projekt parallel zur Gesetzgebung. Die EU-Mitgliedstaaten haben bereits eine Verhandlungsposition für den Rechtsrahmen verabschiedet, der die potenzielle Ausgabe eines digitalen Euro und flankierend den Status von Bargeld als gesetzliches Zahlungsmittel präzisieren soll. In der Ratsposition werden Haltegrenzen für digitale Euro vorgesehen, um eine Nutzung als Wertaufbewahrungsmittel zu begrenzen, sowie Regeln zu Gebührenobergrenzen und zur Zugänglichkeit der nötigen Hardware- und Software-Schnittstellen auf mobilen Geräten.

Als zeitliche Zielmarke wird ein möglicher Start im Jahr 2029 genannt, wobei die Ausgabeentscheidung letztlich bei der EZB liegt und die Legislative zuvor abgeschlossen sein muss. Für Banken und Händler bedeutet das, dass technische Anforderungen, Standards und Terminal-Erneuerungen frühzeitig zusammengedacht werden müssen. Die Debatte wird zugleich als Baustein einer europäischen Zahlungsautonomie geführt, weil ein großer Teil kartengestützter Transaktionen im Euroraum über nicht-europäische Anbieter abgewickelt wird.