E5-Staaten starten LEAP-Programm für günstigere Luftverteidigung und Drohnenabwehr
Die Verteidigungsminister von Frankreich, Deutschland, Italien, Polen und dem Vereinigten Königreich haben ein gemeinsames Beschleunigungsprogramm aufgelegt, um neue, kostengünstige Luftverteidigungsfähigkeiten schneller in die Serienproduktion zu bringen.
- Die E5-Minister trafen sich am 20 Februar 2026 in Krakau und verständigten sich auf das Programm LEAP.
- Ziel ist, neue Systeme in etwa zwölf Monaten von der Entwicklung in die Produktion zu überführen und ab 2027 verfügbar zu machen.
- Im Fokus stehen kostengünstige Abfangmittel, Drohnenabwehr und schnell skalierbare Technologien, inspiriert von Erfahrungen aus dem Ukraine-Krieg.
- Die fünf Länder wollen dazu Industrie, Beschaffung und gemeinsame Tests enger verzahnen.
Die Verteidigungsminister der fünf größten europäischen Verteidigungsausgeber – Frankreich, Deutschland, Italien, Polen und das Vereinigte Königreich – haben bei einem Treffen in Krakau eine neue Initiative zur beschleunigten Entwicklung von Luftverteidigung und autonomen Systemen gestartet. Das Programm trägt den Namen LEAP und soll die Lücke zwischen schneller technologischer Innovation und traditionell langen Beschaffungszyklen schließen.
Nach Angaben der britischen Regierung zielt LEAP auf die Entwicklung fortschrittlicher, aber kostengünstiger Luftverteidigungssysteme ab, darunter autonome Drohnen oder Abfangmittel. Als erstes Projekt ist eine neue Boden-Luft-Waffe vorgesehen, die leicht und bezahlbar sein und speziell die wachsende Drohnen- und Raketenbedrohung adressieren soll. Der erste Effekt soll bis 2027 verfügbar sein.
Die Initiative setzt auf Geschwindigkeit und Anpassungsfähigkeit. Statt mehrjähriger Entwicklungsprogramme sollen Vorschläge aus großen Rüstungsunternehmen ebenso wie aus kleinen und mittleren Betrieben aufgenommen werden. Das Ziel ist, neue Fähigkeiten innerhalb von rund zwölf Monaten von der Entwicklungsphase in eine Produktionsreife zu überführen. Damit wird ausdrücklich auf Erfahrungen verwiesen, die in der Ukraine mit schnell iterierenden Lösungen und pragmatischer Industrialisierung gesammelt wurden.
Aus polnischer Sicht steht LEAP in einer breiteren Agenda: Abschreckung und Verteidigung innerhalb der NATO-Strukturen, das Gegensteuern gegen wachsende hybride Bedrohungen sowie die fortgesetzte Unterstützung der Ukraine. In Krakau waren neben den E5-Ministerien auch die Hohe Vertreterin der EU für Außen- und Sicherheitspolitik sowie die stellvertretende NATO-Generalsekretärin beteiligt, die das Treffen als Signal für höhere europäische Verantwortung innerhalb der Allianz einordneten.
Parallel zu LEAP betonten die Teilnehmer in Krakau, dass höhere Verteidigungsausgaben und verlässliche Industriefinanzierung Voraussetzung für kurze Lieferketten sind. In den politischen Statements wird auf eine stärkere europäische Dimension der Sicherheit verwiesen, ohne die transatlantische Einbindung in Frage zu stellen. Für die E5-Staaten ist das Programm damit nicht nur ein Technologieprojekt, sondern auch ein Format, um Prioritäten zu synchronisieren und die Lastenteilung in NATO und EU mit konkreten Fähigkeiten zu unterlegen.
Für die europäische Rüstungsindustrie bedeutet LEAP einen weiteren Versuch, Standardisierung, Skalierung und schnellere Lieferzeiten zu erreichen. Die fünf Staaten setzen dabei auf gemeinsame Planung, koordinierte Beschaffung und eine engere Verzahnung von Tests, Produktionskapazitäten und Finanzierung. Politisch ist die Initiative zudem ein Baustein, um den Schutz des europäischen Luftraums gegenüber massenhaften, vergleichsweise günstigen Angriffsprofilen – etwa durch Drohnen – robuster und wirtschaftlich tragfähig zu machen.