EU-Handelsminister beraten in Zypern über härteren Kurs gegenüber China und Tempo bei Mercosur
Bei einem informellen Treffen der EU-Handelsminister in Nikosia wurden Schritte diskutiert, wie die EU gegenüber China stärker auf Reziprozität und Marktzugang drängt und zugleich das Mercosur-Abkommen zügiger voranbringen will.
- Die Handelsminister kamen am 19 und 20 Februar 2026 in Nikosia zusammen, die Kommission stellte die wirtschaftliche Sicherheitsagenda in den Mittelpunkt.
- Im Raum steht eine Debatte, ob die EU gegenüber China das WTO-Prinzip der Meistbegünstigung in einzelnen Bereichen strenger auslegen oder neu gewichten sollte.
- Parallel wurde über Wege gesprochen, das Mercosur-Abkommen nach Jahren der Blockade politisch und technisch schneller zur Ratifizierung zu bringen.
- Mehrere Mitgliedstaaten drängen auf ein Paket aus Marktzugang, Zollkontrollen und Schutzinstrumenten, das heimische Industrie und Lieferketten absichern soll.
Die EU-Handelsminister haben sich in Nikosia zu einem informellen Treffen zusammengefunden, um die handelspolitische Strategie in einer Phase zunehmender wirtschaftlicher Spannungen neu zu justieren. Auf der Tagesordnung standen neben aktuellen transatlantischen und globalen Dossiers vor allem die Frage, wie die EU ihre wirtschaftliche Sicherheit stärkt und zugleich an offenen Handelsbeziehungen festhält.
Ein Schwerpunkt war die Debatte über den Umgang mit China. In der Runde wurde diskutiert, ob und wie die EU das WTO-Prinzip der Meistbegünstigung gegenüber China künftig neu bewerten sollte, um Wettbewerbsverzerrungen, asymmetrischen Marktzugang und staatlich geprägte Industriepolitik besser abzufedern. Die Diskussion zielt nicht auf einen generellen Bruch mit WTO-Regeln, sondern auf die Frage, welche Instrumente und Auslegungen der EU zur Verfügung stehen, um Reziprozität und Durchsetzungskraft zu erhöhen.
Parallel nutzte die Kommission das Treffen, um Unterstützung für ein schnelleres Vorankommen des Mercosur-Abkommens zu sondieren. Das Dossier gilt seit Jahren als politisch blockiert, wird aber in mehreren Hauptstädten wieder stärker als strategisches Projekt gesehen – sowohl zur Diversifizierung von Lieferketten als auch zur Stabilisierung von Rohstoff- und Agrarimporten unter klaren Regelwerken. In Nikosia ging es daher auch um die praktische Sequenzierung möglicher nächster Schritte und um die Frage, wie Umwelt- und Sozialauflagen sowie Schutzklauseln in die innenpolitische Debatte eingebettet werden.
Die Mitgliedstaaten diskutierten zudem ein Bündel an Schutzinstrumenten und Kontrollmechanismen, das von Antidumping- und Anti-Subventionsverfahren über Exportkontrollen bis zu Screening-Mechanismen für Investitionen reichen kann. Auch die Rolle von Zoll- und Herkunftskontrollen sowie die Durchsetzung gegen Umgehungsrouten standen im Raum, weil politische Maßnahmen ohne belastbare Umsetzung rasch an Wirkung verlieren.
Das Treffen in Zypern zeigt, dass die EU ihre Handelspolitik stärker als Teil der Sicherheits- und Industriepolitik versteht. Zugleich bleibt der Balanceakt sichtbar: Die EU will marktöffnende Abkommen voranbringen, aber gleichzeitig dort härter auftreten, wo sie dauerhafte strukturelle Ungleichgewichte oder strategische Abhängigkeiten sieht. Konkrete Beschlüsse sind bei informellen Treffen selten, doch die Debatte setzt Leitplanken für die nächsten Initiativen der Kommission und die Verhandlungen unter den Mitgliedstaaten.