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EU räumt Versäumnisse im Dialog mit Sahel‑Staaten ein, baut Beziehungen zu Junta‑Regimen aus

João Cravinho räumt ein, die EU habe den Regierungen der Sahelstaaten zu wenig zugehört. Brüssel sucht den Dialog auch mit de facto Herrschern, um verloren gegangenes Vertrauen gegenüber Russland und anderen Gegnern zurückzugewinnen.

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Titelbild: EU räumt Versäumnisse im Dialog mit Sahel‑Staaten ein, baut Beziehungen zu Junta‑Regimen aus
EU‑Vertreter gestehen Fehleinschätzungen im Umgang mit Sahel‑Regimen ein und setzen verstärkt auf Dialog sowie zivile Perspektiven statt ausschließlich militärischer Lösungsansätze.

Nach Angaben des EU‑Sonderbeauftragten für die Sahelzone, João Cravinho, hat die Union in den vergangenen Jahren versäumt, den Regierungen der Sahelstaaten angemessen zuzuhören und ihre eigenen Interessen klar zu vermitteln. Diese Kommunikationslücke habe dazu geführt, dass Brüssel die Dynamik vor Ort falsch eingeschätzt und dadurch an Einfluss eingebüßt habe, so Cravinho.

Im Mittelpunkt seiner Darstellung steht die Veränderung seit Beginn seines Mandats im November 2024: Der Dialog mit einigen de facto Herrschern habe sich verbessert und es seien neue Kontakte entstanden, die zuvor nicht bestanden. Diese «Brücken» sollen Vertrauen wiederherstellen, das Russland, China und Iran in Teilen der Region gewonnen haben, betonte der Beauftragte.

Zugleich stellte Cravinho klar, dass die aktuelle Lage in Teilen des Sahel, etwa nach den jüngsten koordinierten Angriffen in Mali, die Grenzen rein militärischer Lösungen offenlegt. Er beschrieb die Situation für die Bevölkerung als «schrecklich» und warnte, ähnliche Gewaltausbrüche könnten sich wiederholen. Vor diesem Hintergrund kritisierte er einseitige «militär‑zuerst»-Strategien und wies darauf hin, dass Russlands Engagement vorwiegend militärische Unterstützung umfasst, ohne umfassende zivile oder wirtschaftliche Perspektiven zu bieten.

Daneben verwies Cravinho auf die Neuausrichtung der EU: Mit der Ende 2025 vorgestellten Sahelstrategie habe die Union ihren Ansatz angepasst und den Schwerpunkt stärker auf menschliche Sicherheit und sozioökonomische Entwicklung gelegt. Die Bekämpfung von Terrorismus und die Eindämmung von Migrationsbewegungen bleiben dabei wichtige Ziele, doch den Schwerpunkt bilde nun ein breiteres Paket an Maßnahmen.

Inzwischen räumte der EU‑Beauftragte ein, dass Europa derzeit nur begrenzte politische Kapazitäten habe, um der Region die nötige Aufmerksamkeit zu schenken. Minister würden den Sahel zwar als geopolitisch wichtig einstufen, verfügten aber oft nicht über ausreichend Zeit für ein intensiveres Engagement. Cravinho zeigte sich dennoch überzeugt, dass sich Chancen für ein verstärktes europäisches Engagement ergeben, sobald klar werde, dass Europa ein verlässlicher Partner bleiben kann.

Gleichzeitig unterstreichen seine Äußerungen die wachsende Konkurrenz um Einfluss in Europas Nachbarschaft und die Notwendigkeit für Brüssel, seine Strategien zu überdenken. Nur durch eine Kombination aus Dialog, zivilen Perspektiven und gezielter Sicherheitszusammenarbeit lasse sich langfristig Vertrauen aufbauen und zugleich die Sicherheitsrisiken in der Sahelzone mindern.