EU-Zollbehörde: Rat und Parlament legen Verfahren für Sitzwahl fest – Entscheidung am 25. März
Rat und Europäisches Parlament haben sich am 25. Februar 2026 auf ein gemeinsames Verfahren zur Auswahl des Sitzes der künftigen EU-Zollbehörde verständigt; die Entscheidung soll am 25. März fallen.
- Neun Städte bewerben sich um den Sitz der EU-Zollbehörde – von Lüttich bis Málaga.
- Die Auswahl soll am 25. März 2026 in einem Treffen der Mitgesetzgeber fallen.
- Die Kommission hat die Bewerbungen bewertet und den EU-Institutionen bereits im Januar 2026 vorgelegt.
- Die neue Behörde ist Teil der EU-Zollreform und soll die Modernisierung sowie einheitlichere Risikosteuerung unterstützen.
- Mit der Standortentscheidung rückt der Aufbau der Behörde und des geplanten EU-Datenhubs näher.
Die Europäische Union kommt beim Aufbau ihrer geplanten EU-Zollbehörde einen Schritt weiter. Rat und Europäisches Parlament haben am 25. Februar 2026 eine gemeinsame Verständigung über das Verfahren erzielt, mit dem der Sitz der neuen Behörde ausgewählt werden soll. Der Beschluss über den Standort ist für den 25. März 2026 angesetzt und wird zwischen den Mitgesetzgebern in einem formalen Auswahlprozess getroffen.
Für den Standort haben sich nach Angaben der EU-Institutionen neun Städte beworben: Lüttich (Belgien), Zagreb (Kroatien), Lille (Frankreich), Rom (Italien), Den Haag (Niederlande), Warschau (Polen), Porto (Portugal), Bukarest (Rumänien) und Málaga (Spanien). Die Europäische Kommission hatte die Mitgliedstaaten bereits im Oktober 2025 zur Bewerbung aufgefordert; die Frist endete Ende November 2025. Die eingelangten Bewerbungen wurden anschließend von der Kommission anhand vorab festgelegter Kriterien bewertet und Anfang Januar 2026 den Institutionen übermittelt.
Die Sitzwahl ist nicht nur ein Standortthema, sondern ein Symbol für die tiefgreifende EU-Zollreform. Mit der Reform will die EU Zollprozesse stärker digitalisieren und effizienter machen, Kontrollen zielgenauer steuern und Risiken im Binnenmarkt einheitlicher managen. Ein Kernelement ist ein geplanter EU-Datenhub, der die heute stark fragmentierte IT-Landschaft in den Mitgliedstaaten schrittweise ersetzen und Daten für Importaufsicht, Risikoanalyse und Durchsetzung bündeln soll.
Die künftige EU-Zollbehörde soll dabei als koordinierender Motor wirken: Sie soll zentrale Aufgaben rund um den Datenhub, die Risikosteuerung und die Zusammenarbeit der nationalen Zollverwaltungen unterstützen. Der EU-Binnenmarkt ist für Unternehmen von reibungslosen Grenzprozessen abhängig; zugleich steigen die Anforderungen bei Produktsicherheit, Sanktionsdurchsetzung und E-Commerce-Importen. Mit der Festlegung des Sitzes wird der institutionelle Aufbau greifbarer – offen bleibt jedoch, wie schnell die Mitgliedstaaten die Reformpakete in den kommenden Legislativschritten finalisieren und wie ambitioniert die Umsetzung in der Praxis ausfällt.
Für die Kandidatenstädte geht es in den kommenden Wochen um das Feintuning ihrer Dossiers. Bei Sitzentscheidungen in der EU spielen typischerweise praktische Kriterien wie Erreichbarkeit, verfügbare Büroflächen, digitale Infrastruktur, lokale Unterstützung sowie Lebensumfeld für internationales Personal eine Rolle. Mit dem festgelegten Verfahren und dem Termin im März wird der Wettbewerb zugleich politisch: Der Standort kann Einfluss darauf haben, wo Know-how, Jobs und Investitionen in Zoll-IT und Datenanalyse in den nächsten Jahren gebündelt werden.