JKCM News
Startseite
Europa

Griechenland: Proteste zum Tempi-Jahrestag erhöhen Druck vor dem Prozessstart

Zehntausende Menschen haben in Griechenland an das Zugunglück von Tempi erinnert und kurz vor Prozessbeginn eine lückenlose Aufklärung verlangt.

JKCM Desk 2 Min Lesezeit
Titelbild: Griechenland: Proteste zum Tempi-Jahrestag erhöhen Druck vor dem Prozessstart
  • Am dritten Jahrestag des Unglücks demonstrierten Menschen in Athen und weiteren Städten für Gerechtigkeit.
  • Das Tempi-Unglück von 2023 gilt als schwerste Bahnhavarie des Landes; 57 Menschen kamen ums Leben.
  • Streiks legten Teile des Verkehrs lahm und erhöhten den politischen Druck auf Regierung und Behörden.
  • Der Strafprozess gegen Dutzende Beschuldigte soll in den kommenden Wochen starten, während die Regierung Reformen bis 2027 in Aussicht stellt.

In Griechenland haben am Samstag Zehntausende Menschen in Athen und weiteren Städten an das Zugunglück von Tempi erinnert und eine konsequente Aufklärung gefordert. Die Demonstrationen fielen auf den dritten Jahrestag der Katastrophe, bei der 2023 insgesamt 57 Menschen starben, viele von ihnen Studierende. Vor dem Parlament in Athen wurden Blumen niedergelegt, Plakate mit dem Ruf nach Gerechtigkeit hochgehalten und die Namen der Opfer sichtbar gemacht.

Begleitet wurden die Kundgebungen von Arbeitsniederlegungen, die den Verkehr in mehreren Bereichen beeinträchtigten. Betroffen waren nach Medienberichten unter anderem Bahnverbindungen, Teile des städtischen Nahverkehrs sowie Fährverkehre. Das Zusammenspiel aus Gedenktag, Streik und Großkundgebungen machte deutlich, dass das Thema über den unmittelbaren Unfallhergang hinaus zu einer Vertraünsfrage gegenüber Staat, Infrastrukturbetreibern und Kontrollbehörden geworden ist.

Der Zeitpunkt der Proteste ist politisch brisant, weil der Strafprozess zum Tempi-Unglück in den nächsten Wochen beginnen soll. Nach bisher bekannten Angaben stehen Dutzende nicht-politische Beschuldigte vor Gericht, darunter Mitarbeiter aus dem Bahn- und Betriebsumfeld; die Vorwürfe reichen bis zu fahrlässiger Tötung und Körperverletzung. Opferangehörige und Kritiker werfen dem Staat seit Jahren vor, Sicherheitsdefizite zu spät behoben zu haben und Verantwortung auf einzelne Personen zu verengen, statt systemische Versäumnisse offenzulegen.

Die Regierung weist den Vorwurf einer Vertuschung zurück und verweist auf die laufende Justizarbeit. Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis erklärte zum Jahrestag, Verantwortung müsse im anstehenden Verfahren strikt, aber unparteiisch zugewiesen werden. Zugleich stellt die Regierung eine umfassende Modernisierung des Schienensystems bis 2027 in Aussicht, ein Zeitplan, der von Demonstrierenden als zu langsam kritisiert wird und der angesichts des öffentlichen Drucks nun stärker im politischen Fokus steht.

Die Proteste wurden zudem auch außerhalb Griechenlands aufgegriffen. In mehreren europäischen Städten kam es zu Solidaritätskundgebungen, was den Fall zusätzlich international sichtbar macht. Für die kommenden Wochen wird entscheidend sein, ob der Prozessverlauf Transparenz schafft, ob Sicherheitslücken im Bahnbetrieb nachweisbar geschlossen werden und ob die Frage politischer Verantwortung, jenseits individüller Schuld, institutionell aufgearbeitet wird.