Intellia meldet Durchbruch: CRISPR‑Behandlung erreicht primäres Ziel in Phase‑3‑Studie
Ein einmal verabreichte in vivo‑CRISPR‑Gentherapie senkte die Häufigkeit lebensbedrohlicher Schwellungsanfälle bei hereditärem Angioödem deutlich; Rolling‑Submission bei der FDA eingeleitet.
Nach Angaben von Intellia Therapeutics hat eine einmal verabreichte in vivo‑CRISPR‑Gentherapie das primäre Ziel einer Phase‑3‑Studie bei Patientinnen und Patienten mit hereditärem Angioödem erreicht. Die Behandlung zielt auf ein Lebergen, das die Produktion eines Peptids reguliert, das Schwellungsanfälle auslöst, und setzt direkt im Körper an (in vivo).
Zugleich berichtete das Unternehmen über eine Reduktion der Anfallshäufigkeit um 87 Prozent im Vergleich zu Placebo. Sechs Monate nach der Infusion waren 62 Prozent der behandelten Patientinnen und Patienten anfallsfrei und benötigten keine weiteren Therapien. Die einmalige Therapie wird in Form einer mehrstündigen Infusion verabreicht und verändert das Gen im Patientenorganismus.
Die Sicherheits- und Verträglichkeitsdaten bewertete Intellia insgesamt positiv; am häufigsten traten infusionsbedingte Reaktionen, Kopfschmerzen und Müdigkeit auf. Beobachter hatten die Sicherheitsbilanz besonders im Blick, weil in einer anderen Studie mit einem anderen Präparat des Unternehmens ein Patient an Lebertoxizität gestorben war. Intellia erwähnt diese Vorgeschichte nicht ausführlich, legt aber die in der Phase‑3‑Prüfung erhobenen Sicherheitsbefunde als günstig dar.
Nach dem Schritt der Studienauswertung hat Intellia eine Rolling‑Submission bei der US‑Arzneimittelbehörde FDA gestartet und plant, die Einreichung in der zweiten Jahreshälfte abzuschließen. Das Unternehmen geht davon aus, bei Zustimmung der Behörde einen Markteintritt in den USA in der ersten Hälfte des folgenden Jahres erreichen zu können. Das Wirkstoffkandidat wird unter dem Namen lonvoguran ziclumeran geführt und würde mit mehreren bestehenden Dauertherapien gegen hereditäres Angioödem konkurrieren.
Der Erfolg wird als relevant für die in vivo‑Anwendung der CRISPR‑Technologie gewertet, weil die genetische Veränderung direkt im Körper vorgenommen wird. Bislang ist in den USA nur eine CRISPR‑basierte Therapie zugelassen, die ex vivo arbeitet und Zellen außerhalb des Körpers modifiziert. Intellia bezeichnet die vorgelegten Daten als bedeutenden Fortschritt für seine Plattform, betont aber zugleich, dass vor einer Zulassung noch regulatorische Prüfungen ausstehen.