Iran: Studentenproteste zum Semesterstart, Auseinandersetzungen an Hochschulen
Zum Beginn des neuen Hochschulsemesters haben Studierende in Iran an mehreren Universitäten gegen die Führung protestiert.
- Zum Semesterstart demonstrieren Studierende in Teheran und weiteren Städten gegen die Führung.
- An Hochschulen wie Sharif und Amir Kabir werden Zusammenstöße mit Basij Gruppen gemeldet.
- Die Proteste fallen in die 40 Tage Trauerphase nach den Toten der Januar Unruhen.
- Videos und Berichte lassen sich wegen Kontrolle und Internet Einschränkungen nur begrenzt unabhängig prüfen.
- UN Menschenrechtsexperten fordern Aufklärung über Festnahmen und Todesfälle, Teheran verlangt Belege für hohe Opferzahlen.
In Iran sind zum Start des neuen Hochschulsemesters erneut studentische Proteste aufgeflammt. In Teheran versammelten sich Studierende unter anderem an der Sharif University of Technology und an der Amir Kabir University und gerieten teils mit Basij Gruppen und Sicherheitskräften aneinander. In sozialen Netzwerken kursierten Videos, die Sprechchöre gegen die Staatsführung und Szenen von Handgreiflichkeiten zeigen. Parallel wurden Demonstrationen auch an weiteren Hochschulen in der Hauptstadt und in der Großstadt Mashhad gemeldet.
Die neuen Aktionen fallen in eine Phase politisch aufgeladener Trauer. In vielen Städten fanden in dieser Woche Zeremonien statt, die 40 Tage nach den Toten der Protestwelle im Januar ansetzen. Diese Proteste, ausgelöst durch wirtschaftliche und politische Spannungen, endeten in einer massiven Repression. Menschenrechtsgruppen dokumentierten nach eigener Zählung mehrere tausend Tote und zehntausende Festnahmen, während offizielle Angaben deutlich niedriger ausfallen. Die Diskrepanz verstärkt den Konflikt über Verantwortung und Aufarbeitung.
An der Sharif University wurden Slogans gegen den Obersten Führer Ali Khamenei gerufen. Einzelne Aufnahmen zeigten auch Rufe nach Reza Pahlavi, dem im Exil lebenden Sohn des letzten Schahs. Staatlich geprägte Medien verbreiteten Bilder, die Zusammenstöße mit Basij Anhängern zeigen sollen. Unabhängige Überprüfung der Videos ist nur eingeschränkt möglich, weil Berichterstattung im Land stark kontrolliert wird und Internetzugang zeitweise eingeschränkt war. Aktivisten berichteten zudem aus der westiranischen Stadt Abdanan von Protesten nach der Festnahme eines Lehrers.
Die Regierung steht zugleich unter internationalem Druck, Transparenz über Todesfälle und Vermisste herzustellen. UN Menschenrechtsexperten forderten in den vergangenen Tagen Aufklärung über das Schicksal von Festgenommenen und ein Ende von Todesurteilen im Zusammenhang mit den Protesten. Teheran wies Forderungen nach unabhängigen Untersuchungen zurück und verlangte Belege für hohe Opferzahlen. Die Sicherheitslage an Schulen und Universitäten bleibt angespannt; zahlreiche Einrichtungen waren nach den Januar Ereignissen geschlossen, Teile des Unterrichts liefen online.
Ob die Studentenproteste zu einer neuen landesweiten Mobilisierung anwachsen, ist offen. Viel hängt davon ab, wie hart Sicherheitskräfte reagieren, ob sich weitere gesellschaftliche Gruppen anschließen und ob die Trauerzeremonien weiter politisiert werden. Für die Führung in Teheran ist der Semesterbeginn damit nicht nur ein akademischer Termin, sondern ein neuer Test für die Kontrolle des öffentlichen Raums und für die Fähigkeit, eine tiefe gesellschaftliche Spaltung zu überbrücken.