Israel und Libanon führen erste Direktgespräche seit 1993 – USA vermitteln in Washington
Vertreter beider Seiten trafen sich in Washington erstmals seit mehr als drei Jahrzehnten; US-Außenminister Marco Rubio vermittelte die Begegnung.
- Israel verlangt Entwaffnung nicht-staatlicher Milizen
- Libanon fordert sofortigen Waffenstillstand und rasche Hilfe gegen die humanitäre Not.
Nach Angaben von US-Vertretern haben Israel und der Libanon in Washington ihre ersten direkten Gespräche seit 1993 geführt. Die Begegnung, vermittelt von US-Außenminister Marco Rubio, war als Schritt gedacht, die Spannungen zwischen Israel und der vom Iran unterstützten Hezbollah zu verringern und einen Weg zu Verhandlungen zu eröffnen.
Zugleich teilte das US-Außenministerium mit, die Delegationen hätten vereinbart, direkte Verhandlungen aufzunehmen; Zeitpunkt und Ort sollen noch bestimmt werden. Rubio bezeichnete das Treffen als historische Gelegenheit, mahnte aber Geduld an: Der Prozess werde Zeit benötigen. Die USA brachten ihre Unterstützung für Israels Recht zur Verteidigung gegen Angriffe durch Hezbollah zum Ausdruck.
Im Mittelpunkt der Gespräche standen widersprüchliche Kernforderungen: Israel machte deutlich, dass das Ziel die Entwaffnung aller nicht-staatlichen Terrorgruppen sei, eine eindeutige Anspielung auf Hezbollah. Der libanesische Vertreter forderte umgekehrt ein sofortiges Ende der Kampfhandlungen und konkrete Maßnahmen zur Linderung der schweren humanitären Krise im Land. Libanons Präsident Joseph Aoun äußerte die Hoffnung, die Verhandlungen könnten das Leiden der Bevölkerung, besonders im Süden, beenden und die libanesischen Streitkräfte allein für die Sicherheit in der Region verantwortlich machen.
Während die Delegationen in Washington zusammentrafen, meldete Hezbollah mindestens 24 Angriffe auf Israel und Vorfälle gegen israelische Truppen in Südlibanon. In nördlichen Regionen Israels gingen den ganzen Tag über Drohnen- und Raketenalarme ein. Seit Beginn der jüngsten israelischen Militäroperationen im Libanon am 2. März sind nach Berichten mehr als 2.000 Menschen getötet und etwa eine Million Menschen vertrieben worden.
Ein Sprecher des US-Außenministeriums erklärte nach den Gesprächen, beide Seiten hätten sich verpflichtet, daran zu arbeiten, den Einfluss von Hezbollah zu verringern. Vertreter des libanesischen Staates forderten neben einem Waffenstillstand auch konkrete internationale Hilfe, um die humanitäre Lage zu entschärfen. Unterdessen hatte ein ranghohes Mitglied von Hezbollah erklärt, die Organisation werde sich nicht an in Washington getroffene Vereinbarungen binden.