Jamie Dimon drängt die US-Regierung, Verbündete wirtschaftlich zu stärken – indirekte Kritik an Trump
JPMorgan-Chef Jamie Dimon mahnt in seinem Jahresbrief, die US-Außenwirtschaftspolitik stärker auf die wirtschaftliche Stärkung von Verbündeten auszurichten, und warnt zugleich vor inflationären Folgen des Nahost-Konflikts.
Nach Angaben seines Jahresbriefs an die Aktionäre appeliert Jamie Dimon, Vorsitzender und CEO von JPMorgan Chase, an die US-Regierung, die Wirtschaftsstrategie so zu gestalten, dass Verbündete gestärkt werden. Eine ökonomische Schwächung demokratischer Partner oder eine Zergliederung eng verflochtener Beziehungen könne den Rivalen Raum für Einflussnahme eröffnen, schreibt er, und betont die Notwendigkeit, internationale wirtschaftliche Bindungen aktiv zu erhalten.
Gleichzeitig verknüpft Dimon diese geopolitische Warnung mit unmittelbaren wirtschaftlichen Risiken aus dem anhaltenden Nahost-Konflikt. Er nennt die Gefahr anhaltender Öl- und Rohstoffpreisschocks sowie eine Neuordnung globaler Lieferketten, die zu dauerhaftem Inflationsdruck und damit potenziell zu höheren Zinsen führen könnten. Solche Entwicklungen würden die Stabilität der Märkte bedrohen und Belastungen für Unternehmen und Verbraucher verstärken.
In seinem Brief wendet sich der Bankenchef auch kritisch gegen die aktuelle Handelspolitik der USA. Zwar hätten Zölle Diskussionen ausgelöst und manche Fehlanreize korrigiert, doch müsse eine Außenwirtschaftspolitik weiter reichen: Sie solle nicht nur dem US-Wachstum dienen, sondern Partnern zugleich die Möglichkeit geben, selbstständig zu wachsen und damit die Abhängigkeit von rivalisierenden Mächten zu verringern. Nur so ließen sich langfristig wirtschaftliche Gegenkräfte gegen autokratische Einflussnahmen aufbauen.
Zugleich fallen Dimons Formulierungen als indirekte Kritik an Präsident Donald Trump aus; sie erscheinen vor dem Hintergrund bereits belasteter Beziehungen zwischen dem Weißen Haus und dem Bankensektor. Im Januar hatte der Präsident angekündigt, rechtlich gegen Dimon und seine Bank vorzugehen, und jüngste Äußerungen zur eigenständigen Beschaffung von Öl durch andere Staaten hatten die Spannungen über Energiepreise weiter verschärft.
Dimon ergänzt seine außenwirtschaftlichen Mahnungen um Einschätzungen zur heimischen Lage: Er sieht Chancen und Risiken durch Künstliche Intelligenz, warnt zugleich aber davor, dass anhaltend hohe Asset-Preise Verwundbarkeiten schaffen könnten. Insgesamt plädiert er dafür, außenwirtschaftliche Strategien so zu formen, dass demokratische Bündnisse ökonomisch widerstandsfähig bleiben und weniger anfällig für Zwang oder Einflussnahme von Rivalen werden.