Jamie Dimon drängt die US-Regierung, Verbündete wirtschaftlich zu stärken und warnt vor Inflationsrisiken
Im Jahresbrief fordert der JP‑Morgan‑Chef eine Außenwirtschaftspolitik, die Amerika stärkt, aber Verbündete nicht im Stich lässt, und übt damit indirekte Kritik an Zolldogmen.
Nach Angaben seines am Montag veröffentlichten Jahresbriefs drängt Jamie Dimon, Vorstandsvorsitzender von JP Morgan Chase, die US‑Regierung, die wirtschaftlichen Beziehungen zu Verbündeten gezielt auszubauen, um wirklich nachteilige Folgen zu vermeiden. Er formuliert dabei den Grundsatz: America first, though not alone. Für Dimon dürfe eine Politik zugunsten der eigenen Interessen nicht in Isolation münden; vielmehr müsse sie das Land stärken, ohne strategische Partner zu vernachlässigen.
Gleichzeitig warnt der Bankchef vor ökonomischen Risiken durch den anhaltenden Konflikt im Nahen Osten. Er skizziert ein Szenario anhaltend höherer Inflation und steigender Zinsen, falls sich die Lage in der Region weiter verschärft. In seinem Brief verweist Dimon auf die Aussicht größerer Öl‑ und Rohstoffschocks und auf die Möglichkeit, dass sich globale Lieferketten dauerhaft umgestalten könnten; beides könne spürbare Belastungen für die Weltwirtschaft mit sich bringen.
Daneben kritisiert Dimon die wachsende Zersplitterung wirtschaftlicher Bindungen zwischen Demokratien, die seiner Ansicht nach autoritäre Staaten stärken würde. Seiner Darstellung zufolge verfolgten manche Gegner das Ziel, Länder weniger vom Westen und stärker von anderen Mächten abhängig zu machen, wodurch diese Staaten erpressbar würden. Damit verbindet er eine indirekte Kritik an Aspekten der aktuellen US‑Politik, vor allem an einem starken Fokus auf Handelsrestriktionen und Zölle.
Im Mittelpunkt des Briefs steht für Dimon zudem der Hinweis, dass US‑Außenwirtschaftspolitik umfassend gedacht werden müsse: Sie solle nicht nur dem eigenen Wachstum dienen, sondern auch Partnern ermöglichen, wirtschaftlich zu gedeihen. Er sieht hierin eine politische Notwendigkeit, um die politische Machtbasis demokratischer Staaten zu erhalten und ökonomische Verwundbarkeiten gegenüber autokratischen Konkurrenten zu vermeiden.
Unterdessen hebt Dimon trotz der Risiken auch Gründe für Optimismus hervor und diskutiert technologische Chancen wie künstliche Intelligenz. Seine Warnungen vor Inflations‑ und Zinsfolgen infolge des Iran‑Konflikts fügen sich in eine Reihe von Mahnungen, wonach anhaltende geopolitische Spannungen Rohstoffpreise deutlich nach oben treiben könnten. Insgesamt plädiert der JP‑Morgan‑Chef für eine strategischere, vernetztere Außenwirtschaftspolitik, um langfristige wirtschaftliche und geopolitische Risiken abzumildern.