Mehrere US-Staaten entkoppeln sich von Steuerbefreiung für Startup‑Exits
Maine und Oregon heben die staatliche Steuerfreiheit für Verkäufe qualifizierter Unternehmensanteile auf; Kritiker sagen, die Änderung treffe überwiegend Wohlhabende und könne Abwanderungen auslösen.
- Mehrere Bundesstaaten reagieren auf die Ausweitung des QSBS‑Vorteils durch das OBBBA mit einer Rücknahme der staatlichen Steuerfreiheit
- Rechtsexperten sehen begrenzte Ausweichmöglichkeiten für Gründer und Investoren.
Nach Angaben vorliegender Berichte haben mehrere US‑Bundesstaaten damit begonnen, die staatliche Steuerbefreiung für Gewinne aus qualifizierten Anteilen an Kleinunternehmen (QSBS) zurückzunehmen. Im Zentrum der jüngsten Maßnahmen stehen Gesetzesänderungen in Maine und Oregon, die die bisherige Nichtbesteuerung aufheben und wieder staatliche Einkommensteuer auf entsprechende Veräußerungen erheben.
Im Mittelpunkt der Debatte steht das One Big Beautiful Bill Act (OBBBA), das die bundesweite QSBS‑Regelung ausweitete. Das Gesetz hob die maximale Ausschlussgrenze für befreite Gewinne von zuvor zehn auf 15 Millionen Dollar und erhöhte zugleich die Grenze für die Größe förderfähiger Unternehmen. Diese Ausweitung hat die Bedeutung des Begünstigungsmechanismus deutlich vergrößert und damit die staatliche Reaktion befeuert.
Zugleich fällt die Reaktion der Bundesstaaten uneinheitlich aus: Während Maine und Oregon die Kopplung an die Bundesbefreiung lösten, scheiterten ähnliche Vorstöße in New York und Washington. Der District of Columbia votierte zwar für eine teilweise Entkopplung, doch der Kongress blockierte diese Maßnahme per Resolution. Bereits vor der jüngsten Welle erheben vier Staaten — Alabama, Mississippi, Pennsylvania und Kalifornien — grundsätzlich Steuern auf QSBS‑Gewinne.
Daneben haben Steuerberater und Anwälte für vermögende Mandanten mögliche Gestaltungswege skizziert. Genannt wurden Truststrukturen in Staaten ohne Vertrauensbesteuerung wie Delaware, Nevada oder Wyoming; sogenannte incomplete non‑grantor trusts können demnach Kapitalgewinne in bestimmten Fällen außerhalb der Besteuerung durch einzelne Bundesstaaten belassen, wenn Verwaltung und Treuhänder nicht in einem steuererhebenden Staat ansässig sind. Experten warnen jedoch, dass einzelne Staaten bereits strengere Regeln verabschieden, um solche Konstruktionen zu unterbinden, sodass die Wirksamkeit solcher Strategien je nach Jurisdiktion variiert.
Nach dem Schritt in Maine und Oregon sehen Kritiker vor allem Verteilungsfragen: Der QSBS‑Vorteil komme überwiegend sehr wohlhabenden Steuerzahlern zugute, wobei ein großer Teil der Begünstigten Einkünfte über einer Million Dollar beziehe. Befürworter der Entkopplung betonen dagegen die fiskalischen Folgen der bundesweiten Ausweitung für die Landeshaushalte. Gegner warnen, Einschränkungen könnten das Investitionsklima für Gründer und Risikokapitalgeber belasten und so potenziell negative Effekte auf Startup‑Finanzierungen haben.
Gleichzeitig bleibt offen, wie sich Verlagerungs‑ und Anpassungseffekte langfristig auswirken. Steuerpolitische Entscheidungen könnten demnach Migrationseffekte bei vermögenden Personen begünstigen, insbesondere wenn diese mehrere Wohnsitze unterhalten. Die jüngsten Gesetzesänderungen haben deshalb nicht nur fiskalische, sondern auch wirtschafts‑ und standortpolitische Implikationen für einzelne Bundesstaaten.