Merz: Putin setzt auf Eskalation – Kyiv trug Hauptlast massiver Angriffsserie
Nach tagelangen Drohnen- und Raketenangriffen meldet die Ukraine zahlreiche zivile Opfer und schwere Schäden; die Atomaufsicht warnt vor verstärkter Militäraktivität in der Nähe von Kernanlagen.
- Kanzler Merz sieht in Moskaus Vorgehen ein bewusstes Eskalationssignal
- Kyiv erklärt einen Trauertag.
Nach Angaben deutscher Regierungskreise zeigt Russlands Offensive gegen die Ukraine mittlerweile Merkmale einer gezielten Eskalationsstrategie. Kanzler Friedrich Merz sagte am Donnerstag, die anhaltend schwere Bombardierung Kyivs spreche eher für eine Absicht zur Verschärfung des Konflikts als für einen ernsthaften Verhandlungswillen Moskaus.
Im Mittelpunkt der Angriffe stand am Donnerstag die ukrainische Hauptstadt, die nach Behördenangaben die Hauptlast einer fast ununterbrochenen Angriffsserie trug. Rettungsdienste meldeten in Kyiv mindestens 16 Tote, darunter zwei Kinder; der Bürgermeister rief deshalb einen Tag der Trauer aus. Insgesamt wurden über Mittwoch und Donnerstag hinweg mindestens 22 zivile Todesopfer registriert.
Zugleich berichtete Präsident Wolodymyr Selenskyj von 1.567 gestarteten Drohnen seit Beginn des Mittwochs. Behörden zählten erhebliche Schäden: 180 Einrichtungen seien betroffen, darunter mehr als 50 Wohngebäude. Mehr als 1.500 Einsatzkräfte wurden landesweit mobilisiert, knapp 600 davon allein in Kyiv, um Folgeeinsätze zu leisten und Such- und Rettungsmaßnahmen durchzuführen.
Inzwischen warnte die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) vor einer Zunahme militärischer Aktivitäten in der Nähe mehrerer ukrainischer Kernkraftwerke. Die IAEA nannte die Anlagen Chmelnizki, Rivne und Süd-Ukraine sowie das Gelände von Chornobyl und sprach von einer deutlichen Zunahme von Drohnenflügen in deren Umgebung. Deren Direktor äußerte tiefe Besorgnis und forderte alle Beteiligten zu maximaler Zurückhaltung auf.
Daneben trafen die Angriffe zivile Infrastruktur in mehreren Regionen des Landes. Im Gebiet Charkiw gab es mindestens 28 Verletzte, darunter drei Kinder; Energieanlagen wurden beschädigt, wodurch die Stromversorgung in elf Regionen beeinträchtigt war. Außerdem registrierten Behörden Schäden an Hafenanlagen in der Region Odessa sowie an Schieneninfrastruktur, was logistische Abläufe und den Güterverkehr zusätzlich belastet.
Nach dem Schritt betonte Kanzler Merz, Europa und die Ukraine stünden prinzipiell Verhandlungen für einen gerechten Frieden offen, doch sprächen die russischen Angriffe eine andere Sprache. Zugleich wies er Vorschläge zurück, andere Staaten oder Einzelpersonen sollten stellvertretend für Europa als Vermittler auftreten; die Europäer würden selbst entscheiden, wer für sie spreche.