Moskau und Kiew beschuldigen sich gegenseitig der Verletzung der Feuerpause
Trotz der vereinbarten dreitägigen Feuerpause meldeten beide Seiten Angriffe und Verluste; Präsident Putin signalisierte, der Krieg könnte sich dem Ende zuneigen.
Nach Angaben des ukrainischen Generalstabs haben russische Streitkräfte seit Tagesbeginn 51 Angriffe verübt und damit die vereinbarte dreitägige Feuerpause verletzt. Demnach setzten Einheiten Drohnen und Artillerie ein; ukrainische Verbände erklärten, sie hätten auf die Angriffe reagiert. Die Angaben deuten auf anhaltende Gefechte trotz des offiziellen Waffenstillstands hin und zeigen, dass die Bereitschaft zu militärischen Einsätzen auf beiden Seiten weiter besteht.
Zugleich meldeten regionale Behörden in der Ukraine zivile Opfer infolge russischer Drohnenangriffe in den zentral-östlichen Gebieten Zaporizhzhia und Dnipropetrovsk: Zwei Zivilisten seien getötet und drei weitere verletzt worden. In der russischen Grenzregion Belgorod berichtete der Gouverneur von drei Verletzten nach ukrainischen Drohnenangriffen, was die beidseitigen Schadenmeldungen unterstreicht. Diese Zwischenfälle illustrieren, dass die Feuerpause nicht flächendeckend greift und dass Zivilisten weiterhin gefährdet sind.
Im Mittelpunkt der Hauptstadt Moskau stand eine stark reduzierte Siegesparade, die ohne Angriffe ablief. Sicherheitsvorkehrungen in der Stadt waren deutlich verstärkt; das städtische Internet war Berichten zufolge zeitweise eingeschränkt, nachdem in den Tagen zuvor Langstreckendrohnen und Raketen das Zentrum belastet hatten. Im Vergleich zu früheren Jahren fehlte die gewohnte pompöse Präsentation von Waffen und Fahrzeugen, stattdessen zeigten die Veranstalter eine Videoeinspielung mit Drohnen und Nuklearwaffen. Nur eine kleine Delegation ausländischer Gäste war anwesend.
Nach dem Schritt der militärischen und politischen Kommunikation tauschten Moskau und Kiew weiter gegenseitige Vorwürfe über Feuerpausenverstöße aus. Das russische Verteidigungsministerium erklärte, ukrainische bewaffnete Gruppen hätten trotz des Waffenstillstands Angriffe auf russische Positionen durchgeführt, nannte jedoch keine konkreten Zahlen. Zugleich äußerte Präsident Wladimir Putin, er sehe Anzeichen dafür, dass der Krieg auf ein Ende zusteuere, und signalisierte Bereitschaft zu Verhandlungen über neue Sicherheitsarrangements in Europa. Russland erwarte zudem noch konkrete Vorschläge Kiews zu einem von den USA vorgeschlagenen Gefangenenaustausch, die bislang nicht eingegangen seien.
Die Entwicklung widerspricht einer vollständigen Entspannung: Zwar berichteten Beobachter von einer Verringerung der Intensität im Vergleich zu früheren Tagen, doch Angriffe und Opfer wurden an mehreren Fronten gemeldet. Demnach setzten Drohnenangriffe und Artilleriebeschuss in mehreren Regionen die Gefahrenlage fort, während internationale Vermittlungsbemühungen vorerst ohne nachweisbare Durchbrüche blieben.