Péter Magyar als ungarischer Ministerpräsident vereidigt – Schlussstrich unter Orbáns 16 Jahre an der Macht
Der pro‑europäische Zentrum‑Rechts‑Politiker Péter Magyar wurde nach dem Erdrutschsieg seiner Partei zum Ministerpräsidenten vereidigt. Tausende Anhänger feierten vor dem Parlament und bekräftigten den Anspruch auf einen Systemwechsel.
Nach dem Erdrutschsieg seiner Tisza‑Partei ist Péter Magyar am Samstag in Budapest als ungarischer Ministerpräsident vereidigt worden. Die Zeremonie markierte das formelle Ende der 16‑jährigen Regierungszeit von Viktor Orbán, die die Opposition bei der Parlamentswahl vor einem Monat beendet hatte. Magyar sprach von einer neuen historischen Phase und betonte, seine Partei habe nicht nur die Regierung, sondern auch einen grundlegenden Systemwechsel zu vollziehen bekommen.
Im Mittelpunkt der Feierlichkeiten standen die Tausenden Menschen, die dem Ruf Magyars gefolgt waren und sich vor dem neogotischen Parlamentsgebäude versammelt hatten. Auf großen Bildschirmen verfolgten sie die Antrittsreden; bei jedem Auftritt des neuen Regierungschefs brandete Jubel auf und vereinzelt gab es Buhrufe gegen Abgeordnete von Fidesz und der rechtsextremen Our Homeland‑Partei. Die Stimmung in der Menge wurde von Teilnehmern als ausgelassen beschrieben und trug zu der Symbolkraft des Tages bei.
Gleichzeitig nutzte Magyar seine Rede im Parlament, um die Politik der vergangenen Jahre scharf zu kritisieren. Er bezeichnete die Amtszeit Orbáns als besonders korrupt für ein EU‑Land und kündigte an, sein Kabinett werde Gerechtigkeit gegenüber früheren Amtsträgern anstreben. Zugleich forderte er, dass Vertreter der Orbán‑Ära bis Monatsende zurücktreten sollen, und nannte dabei ausdrücklich Tamás Sulyok. Diese Aufforderung löste vor dem Parlament laute Zustimmung aus.
Daneben setzte die neue Parlamentsführung ein sichtbares Zeichen der Ausrichtung: Die neu gewählte Parlamentspräsidentin Ágnes Forsthoffer ordnete an, die EU‑Flagge wieder im Parlamentsgebäude zu hissen. Die Symbolik unterstrich die pro‑europäische Orientierung, die Magyar und seine Partei nach ihrem Wahlsieg betont hatten. Mit 141 der 199 Sitze im Parlament hält die Tisza‑Partei eine klare Mehrheit, die ihren Anspruch auf weitreichende Reformen und einen politischen Neuanfang untermauert.
Magyar, der zuvor dem konservativen Fidesz‑Lager angehörte und seit 2024 als Kritiker seines früheren Umfelds aufgetreten ist, verband seine Antrittsworte mit dem Versprechen, Ungarn inklusiver und lebenswerter zu machen. Er kündigte an, die Gesellschaft wieder zu einen und konkrete Verbesserungen im Alltag der Menschen anzustreben. Damit stellte er seinen Führungsanspruch als Beginn eines umfassenderen Wandels dar und suchte zugleich die Zustimmung breiter Teile der Bevölkerung.