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Neuwahl in Bulgarien: Russlandfreundlicher Ex‑Präsident laut Prognosen vorn

Wählerbefragungen nach der Stimmabgabe sehen das Bündnis von Ex‑Präsident Rumen Radew klar vor den prowestlichen Kräften; über Mehrheitsverhältnisse im neuen Parlament herrscht jedoch Unsicherheit.

Handelsblatt-Redaktion 1 Min Lesezeit
Titelbild: Neuwahl in Bulgarien: Russlandfreundlicher Ex‑Präsident laut Prognosen vorn
  • Erste Prognosen geben Progressives Bulgarien unter Rumen Radew mit rund 39 Prozent an
  • das konservative Bündnis Gerb‑SDS folgt mit deutlich geringerer Zustimmung.

Nach Angaben von Nachwahlbefragungen führt das Bündnis Progressives Bulgarien unter dem ehemaligen Staatschef Rumen Radew demnach deutlich vor den prowestlichen Parteien. Die Institute sehen PB bei knapp 39 Prozent der Stimmen, während das konservative Bündnis Gerb‑SDS auf maximal 16,2 Prozent kommt und damit deutlich abgeschlagen ist.

Im Mittelpunkt des Wahlkampfs stand Radews Versprechen, Korruption im Land entschieden anzugehen. Innenpolitische Themen dominierten seine Botschaften; dabei griff er immer wieder die Wahrnehmung schwacher staatlicher Kontrolle und Vetternwirtschaft auf, die vor den Wahlen intensiv diskutiert wurden.

Zugleich trugen anhaltende Proteste, vor allem von jungen Menschen, zur politischen Mobilisierung bei. Diese Demonstrationen hatten bereits im Dezember 2025 eine Regierungsumbildung ausgelöst und prägten die Debatte bis zur Wahl. Bulgarien lag 2025 gemeinsam mit Ungarn an einem der unteren Plätze im Korruptionswahrnehmungsindex von Transparency International, ein Befund, der im Vorfeld der Abstimmung vielfach thematisiert wurde.

Ob das prognostizierte Ergebnis für Progressives Bulgarien zu einer absoluten Mehrheit im Parlament führt, bleibt offen. Die Prognosen stammen aus stichprobenartigen Befragungen nach der Stimmabgabe; die formalen Endergebnisse sowie mögliche Koalitionsoptionen können erst nach Abschluss der offiziellen Auszählung geklärt werden.

Daneben zeigt das Stimmungsbild eine gestaffelte Parteienstärke: Auf den dritten Platz weist die Erhebung den proeuropäischen liberal‑konservativen Verband PP‑DB mit höchstens 14,3 Prozent. Damit zeichnet sich ein Parlament mit fragmentierter Kräfteverteilung ab, in dem Koalitionsverhandlungen voraussichtlich eine zentrale Rolle spielen werden.