Papst besucht 'Land of Fires' und trifft Familien, die Angehörige durch Mafia‑Giftmüll verloren haben
Pontifex besucht Acerra bei Neapel, spricht mit Familien und Lokalpolitikern nach Urteil des EGMR zu illegaler Müllentsorgung
Nach Angaben aus Vatikan‑ und Lokalberichten besuchte Papst Leo am Wochenende Acerra, eine Stadt im von Giftmüllskandalen betroffenen Gebiet südlich von Neapel, und traf dort Familien, deren Angehörige an Krankheiten gestorben sind, die sie auf illegale Entsorgung und das Verbrennen von Abfällen zurückführen. Die Begegnung erfolgte am Vorabend des elften Jahrestags der Umwelt-Enzyklika Laudato Si und wurde als Fortführung der umweltpolitischen Linie seines Vorgängers gewertet. Der Pontifex betonte die menschlichen Folgen der Verschmutzung und nahm direkte Zeugnisse der Betroffenen entgegen.
Im Mittelpunkt des Treffens standen persönliche Schicksale: Angehörige überreichten dem Papst Erinnerungsstücke und Schilderungen zu jungen Todesfällen, die sie mit der jahrelangen Kontamination von Böden und Grundwasser in Verbindung bringen. Der lokale Bischof Antonio Di Donna nannte für die Stadt eine Zahl junger Menschen, die in den vergangenen drei Jahrzehnten gestorben seien; diese Bezifferung beziehe sich nur auf Acerra und nicht auf die umliegenden Gemeinden. In der Kathedrale schilderten Mütter und Väter den Verlust geliebter Menschen und appellierten an die kirchliche Führung, die Lage weiter sichtbar zu machen.
Zugleich hielt der Papst eine Ansprache vor Familienangehörigen und Geistlichen, in der er die Verantwortung jener ansprach, die Profit über Menschenleben gestellt hätten, und die Folgen ausufernder Umweltverschmutzung verurteilte. Danach empfing er die Bürgermeister der rund 90 Gemeinden, die nach einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte als betroffen gelten. Das Gericht hatte festgestellt, dass illegale Giftmülldeponien und damit verbundene Praktiken in einem Gebiet um Caserta und Neapel Gesundheitsrisiken für etwa 2,9 Millionen Menschen verursacht haben und dass italienische Behörden seit Jahrzehnten Kenntnis von der Problematik hatten.
Die EGMR-Entscheidung verpflichtet Italien, Datenbanken über toxische Abfälle und verifizierte Gesundheitsrisiken zu schaffen; in der Region wurde die Verurteilung als Bestätigung jahrzehntelanger Beschwerden der Bewohner aufgenommen. Vertreter der Kirche und lokale Behörden meldeten zudem erneut Funde kontaminierter Stellen, etwa nahe Caserta, und verwiesen auf weitere Schadstoffbelastungen an anderen Standorten im Land. Die anhaltende Präsenz von belasteten Flächen und neuerliche Funde verstärkte die Forderungen nach schnellen, nachhaltigen Sanierungsmaßnahmen.
Unterdessen versammelten sich Tausende Menschen entlang der Route des Papstbesuchs, viele mit gelben Fahnen, und forderten konkrete Maßnahmen zum Schutz von Gesundheit und Boden. Opfervertreter appellierten an den Pontifex, politischen Druck zu erzeugen, damit einst als fruchtbar gerühmte Gebiete wieder sicher und bewohnbar werden. Die Stimmen der Hinterbliebenen und Betroffenen blieben bestimmend für den Besuch; ihre Forderung ist klar: Schutz und Wiedergutmachung für eine Region, die unter den Folgen jahrzehntelanger illegaler Entsorgung leidet.