Südkorea protestiert gegen japanische Takeshima-Day-Zeremonie
Seoul hat die Teilnahme eines japanischen Regierungsvertreters an der Takeshima-Day-Veranstaltung in Shimane scharf kritisiert und Japans Anspruch auf die von Südkorea kontrollierten Inseln Dokdo zurückgewiesen.
- Das südkoreanische Außenministerium sprach von einer ungerechtfertigten Souveränitätsbehauptung und forderte die Abschaffung der Zeremonie.
- Seoul bestellte einen ranghohen Vertreter der japanischen Botschaft ein, um den Protest formell zu übermitteln.
- Japan entsandte nach Angaben aus Tokio keinen Kabinettsminister, sondern einen Vize-Minister aus dem Kabinettsamt.
- Der Inselstreit gilt als Dauerbrenner in den Beziehungen beider Länder und ist historisch eng mit der Kolonialzeit verknüpft.
- Die Gewässer um die Felseninseln sind fischereiwirtschaftlich bedeutend und werden zudem seit Jahren mit möglichen Rohstoffvorkommen in Verbindung gebracht.
Südkorea hat am Sonntag, den 22. Februar, offiziell gegen eine japanische Veranstaltung zum sogenannten „Takeshima Day“ protestiert. Die Zeremonie wird von der Präfektur Shimane ausgerichtet und bezieht sich auf eine Inselgruppe im Japanischen Meer, die Japan „Takeshima“ nennt und die in Südkorea als „Dokdo“ bekannt ist. Südkorea kontrolliert die Inseln, Japan erhebt seit langem Anspruch darauf.
Nach Darstellung des südkoreanischen Außenministeriums stellt die Veranstaltung eine unzulässige und politisch aufgeladene Souveränitätsbehauptung dar. Seoul wies die japanischen Ansprüche erneut zurück und forderte, die Zeremonie zu beenden. Zusätzlich wurde ein hochrangiger Vertreter der japanischen Botschaft in Seoul einbestellt, um den Protest förmlich zu übergeben.
Die Takeshima-Day-Zeremonie findet jährlich statt und wird in Japan von der Präfektur Shimane als regionales Gedenken organisiert, hat aber aufgrund der Teilnahme zentraler Regierungsvertreter regelmäßig diplomatische Wirkung. Seoul sieht darin eine wiederkehrende Herausforderung seiner territorialen Position, während Tokio betont, die Inseln gehörten zu Japan.
Auf japanischer Seite nahm nach Angaben aus Tokio ein Vize-Minister aus dem Kabinettsamt teil, nicht jedoch ein Kabinettsmitglied. In Japan ist die Teilnahme an der Veranstaltung innenpolitisch sensibel, weil sie in Seoul als Signal der Regierung gelesen wird – unabhängig davon, ob die Zeremonie formal von der Präfektur organisiert wird.
Der Streit um Dokdo/Takeshima belastet die Beziehungen zwischen Japan und Südkorea seit Jahrzehnten. Neben der Territorialfrage wirken historische Konflikte nach, insbesondere die Erinnerung an Japans Kolonialherrschaft über die koreanische Halbinsel von 1910 bis 1945. Beide Regierungen bemühen sich zwar immer wieder um pragmatische Kooperation, doch symbolische Gesten rund um die Inseln führen regelmäßig zu diplomatischen Reaktionen.
Auch die wirtschaftliche Dimension trägt zur Dauerhaftigkeit des Konflikts bei: Die umliegenden Gewässer gelten als ertragreiche Fischgründe. In Südkorea wird zudem seit Jahren darauf verwiesen, dass in der Region mögliche Vorkommen von Gashydraten vermutet werden, was den politischen Symbolwert der Inseln weiter erhöht. Kurzfristig ist keine Annäherung erkennbar; der Protest zeigt, wie schnell Territorialfragen selbst bei ansonsten verbesserten Kontakten wieder in den Vordergrund rücken können.
In der Praxis ist der Konflikt schwer aufzulösen, weil es um Souveränität und nationale Narrative geht, nicht um einen handhabbaren Grenzverlauf. Südkorea verweist auf historische Nutzung und Verwaltung, Japan auf seine eigene Rechtsauffassung; beide Seiten nutzen Kartenmaterial, Schulbücher und offizielle Reden, um ihre Position zu stützen. In den vergangenen Jahren hatten sich die Beziehungen phasenweise verbessert, etwa bei Sicherheits- und Wirtschaftskooperation, doch der Streit um Dokdo/Takeshima bleibt ein Auslöser, der schnell zu öffentlichen Protesten und formalen diplomatischen Schritten führt.