Südkoreas Ex-Präsident Yoon erhält lebenslange Haft wegen Aufstandsversuchs
Ein Gericht in Seoul hat Ex-Präsident Yoon Suk Yeol wegen eines als Aufstandsversuch gewerteten Kriegsrechts-Erlasses zu lebenslanger Haft verurteilt, womit die schwerste Phase der südkoreanischen Staatskrise in ein Berufungsverfahren übergeht.
- Das Seoul Central District Court verurteilte Yoon am 19 Februar 2026 zu lebenslanger Haft wegen Insurrection im Zusammenhang mit dem Kriegsrecht vom Dezember 2024.
- Das Kriegsrecht dauerte nach Darstellung der Ermittler nur wenige Stunden, löste aber den Einsatz von Militär und Polizei gegen das Parlament aus.
- Yoon entschuldigte sich am Folgetag für die Folgen, hielt seine Entscheidung jedoch für gerechtfertigt und kündigte an, gegen das Urteil vorzugehen.
- Yoon war bereits am 4 April 2025 vom Verfassungsgericht seines Amtes enthoben worden, nachdem das Parlament ihn wegen der Kriegsrechtsaktion angeklagt hatte.
Ein Gericht in Seoul hat den früheren südkoreanischen Präsidenten Yoon Suk Yeol am 19. Februar 2026 zu lebenslanger Haft verurteilt. Die Richter werteten die Ausrufung des Kriegsrechts im Dezember 2024 als versuchten Aufstand gegen die verfassungsmäßige Ordnung. Nach den in den Verfahren dargestellten Abläufen dauerte der Kriegsrechtszustand nur rund sechs Stunden, bevor Abgeordnete ihn im Parlament aufhoben, dennoch markierte er den Kern einer Staatskrise, die bis heute die Institutionen des Landes prägt.
Im Zentrum der Anklage steht der Vorwurf, Yoon habe Militär- und Polizeikräfte eingesetzt, um die Nationalversammlung zu blockieren, politische Gegner festzusetzen und die legislative Kontrolle zu unterlaufen. Nach Berichten aus dem Gerichtsverfahren sahen Staatsanwälte darin den Versuch, die demokratische Ordnung außer Kraft zu setzen und eine autoritäre Machtposition aufzubauen. Eine Sonderstaatsanwaltschaft hatte demnach die Todesstrafe beantragt; Vollstreckungen gibt es in Südkorea allerdings seit Ende der 1990er Jahre nicht mehr. Neben Yoon wurden mehrere frühere Spitzenbeamte im Zusammenhang mit der Kriegsrechtsaktion verurteilt, darunter der damalige Verteidigungsminister, der eine langjährige Haftstrafe erhielt.
Am Tag nach der Urteilsverkündung wandte sich Yoon mit einer Entschuldigung an die Öffentlichkeit. Er bedauerte die Unruhe und Belastung, die sein Vorgehen ausgelöst habe, verteidigte aber die Motive und bezeichnete die Entscheidung als politisch gefärbt. Seine Anwälte signalisierten, dass eine Berufung vorbereitet wird; nach den geltenden Fristen muss sie kurzfristig eingelegt werden. Damit ist absehbar, dass die juristische Aufarbeitung in die nächste Instanz geht und politische Lager den Fall weiter als Argument für oder gegen die Unabhängigkeit der Justiz nutzen.
Die strafrechtliche Verurteilung folgt auf eine verfassungsrechtliche Zäsur: Am 4. April 2025 hatte das südkoreanische Verfassungsgericht Yoon nach einem parlamentarischen Amtsenthebungsverfahren endgültig aus dem Amt entfernt. Das Urteil des Verfassungsgerichts bestätigte damals die Absetzung und setzte den Rahmen, in dem sich der spätere Strafprozess bewegte. Die jetzige Entscheidung des Strafgerichts stellt die schärfste juristische Konsequenz dar, die ein ehemaliges Staatsoberhaupt in Südkorea seit Jahrzehnten getroffen hat.
Politisch wirkt der Fall über die Person hinaus. Für die Regierungs- und Oppositionsparteien geht es um die Deutung, ob das Kriegsrecht als verfassungswidriger Machtmissbrauch oder als außergewöhnliche, aber legitimierte Krisenmaßnahme dargestellt werden kann. Zugleich dürfte die Debatte über Begnadigungen und die Grenzen präsidialer Macht erneut aufflammen, weil lebenslange Haft in Südkorea grundsätzlich Spielräume für spätere Erleichterungen lässt. Kurzfristig bleibt entscheidend, wie schnell das Berufungsverfahren anläuft und ob weitere Ermittlungen gegen Beteiligte folgen.