Wisden‑Chef kritisiert England nach 4:1‑Ashes‑Niederlage scharf
In den Editor‑Anmerkungen der 163. Ausgabe des Wisden‑Almanachs übt Lawrence Booth scharfe Kritik an Vorbereitung, Einstellung und dem Umgang mit disziplinären Vorfällen während der Australien‑Tour.
Nach Angaben des Chefredakteurs von Wisden blieb die englische Mannschaft in Australien weit hinter den Erwartungen zurück. England verlor die Ashes‑Serie mit 4:1 und erlitt damit die vierte aufeinanderfolgende Auswärtsniederlage in diesem Wettbewerb, schreibt Lawrence Booth in seinen Editor‑Anmerkungen zur 163. Ausgabe des Almanachs.
Im Mittelpunkt von Booths Kritik stehen sowohl die sportlichen Darbietungen auf dem Feld als auch die externe Vorbereitung und die Teamkultur. Er beschreibt die Kampagne als fahrig und unkonzentriert, verweist auf wiederkehrende Probleme im Umgang mit Disziplin und professioneller Haltung und bemängelt, dass die Mannschaft Chancen, die sich geboten hätten, nicht genutzt habe.
Nach dem Schritt, einen Vorfall kurz vor der Tour zu thematisieren, rügt Booth den Umgang mit einem Gewaltausbruch in Wellington: White‑Ball‑Kapitän Harry Brook war vor einem One‑Day‑International von einem Türsteher geschlagen worden. Booth hält es für verfrüht, dass dieser Vorfall nicht frühzeitiger öffentlich adressiert wurde, und argumentiert, eine raschere Rechenschaft gegenüber dem Team hätte noch vor dem Perth‑Test erfolgen sollen, um die Spieler an ihre Verantwortung in Australien zu erinnern.
Zugleich kritisiert Booth die Entscheidung, Kapitän Ben Stokes, Cheftrainer Brendon McCullum und Cricket‑Direktor Rob Key trotz einer internen Überprüfung im Amt zu belassen. Er sieht darin keine Entschuldigung für das Ausbleiben grundsätzlicher Selbstreflexion und struktureller Veränderungen im Umgang mit Verhalten sowie Vorbereitung auf internationalem Niveau.
Daneben würdigt die Ausgabe herausragende individuelle Leistungen außerhalb des gescholtenen englischen Kaders. Unter den fünf Cricketers of the Year finden sich vier indische Spieler für ihre Beiträge in der Testserie in England; Haseeb Hameed ist der einzige heimische Vertreter und wird für seinen Anteil am County‑Championship‑Sieg von Nottinghamshire genannt. Zudem werden Mitchell Starc und Deepti Sharma als jeweils führende Männer‑ beziehungsweise Frauen‑Cricketer weltweit ausgezeichnet.
Insgesamt zeichnet Booth ein Bild von verpasstem Potenzial und fordert eine offenere Fehlerkultur innerhalb des englischen Crickets. Für ihn war die Tour mehr als nur eine sportliche Niederlage: eine Chance, die England nach seiner Einschätzung leichtfertig versäumt habe.