X‑energy legt stärkstes Debüt einer Nuklearfirma hin – Aktie klettert 26 Prozent
X‑energy setzte seine Aktie über dem Ausgabepreis in den Handel, sammelte mehr als eine Milliarde Dollar ein und positioniert sich mit der TRISO‑basierten XE‑100‑Technologie als Anbieter von Strom und Hochtemperatur‑Industrielösungen.
- IPO zu 23 US‑Dollar, Eröffnungskurs 30,11 US‑Dollar
- bisher größte Nuklear‑Börsennotierung
- Auftrags‑ und Partnerschaftspipeline über 11 GW.
Nach Angaben von Handelsdaten legte die Aktie des fortschrittlichen Reaktorspezialisten X‑energy am Freitag bei ihrem Börsendebüt um rund 26 Prozent zu. Das Papier war zu 23 US‑Dollar ausgegeben worden und eröffnete nach einer Aufstockung der Angebotsgröße bei 30,11 US‑Dollar. Mit dem IPO sammelte das Unternehmen mehr als eine Milliarde Dollar ein und verzeichnete damit die bislang größte öffentliche Emission im Sektor ziviler Nuklearunternehmen.
Im Mittelpunkt des Geschäftsmodells steht die XE‑100‑Technologie: ein hochtemperatur‑gasgekühlter Reaktor mit einer Nennleistung von 80 Megawatt, dessen Module sich zu Anlagen mit bis zu 960 Megawatt bündeln lassen. Die hohen Prozesstemperaturen der TRISO‑Brennstofftechnologie sollen es ermöglichen, neben Strom auch Industrieprozesse zu versorgen, die sich nur schwer dekarbonisieren lassen, etwa in der Chemieproduktion.
Nach dem Schritt an die Börse wies X‑energy auf eine umfangreiche Finanzierungsbasis hin. Vor dem IPO hatte das Unternehmen bereits mehr als 1,4 Milliarden Dollar eingesammelt, zuletzt über eine Series‑D‑Runde. Zu den Unterstützern zählen namhafte Investoren und Managementfirmen; außerdem erhielt das Unternehmen Fördermittel vom US‑Energieministerium. X‑energy plant, seine Rolle nicht als Betreiber, sondern als Technologie‑ und Brennstofflieferant auszufüllen: Das Unternehmen will Lizenzen vergeben und Brennstoff aus einer eigenen Fertigungsstätte anbieten.
Gleichzeitig baut X‑energy seine Projekt‑ und Partnerschaftspipeline aus, die Angaben zufolge mehr als 11 Gigawatt umfasst und Namen wie Amazon, Dow und Centrica einschließt. Für ein Projekt in Seadrift, Texas, reichten X‑energy und Dow im März 2025 einen Bauantrag bei der US‑Nuclear Regulatory Commission ein; die Überprüfung ist Teil eines zweistufigen Genehmigungsverfahrens und soll rund 18 Monate dauern. Daneben arbeitet X‑energy mit Amazon an einer Versorgungslösung mit bis zu fünf Gigawatt in den USA bis 2039, das erste geplante Vorhaben ist eine 320‑Megawatt‑Anlage in Zusammenarbeit mit dem Versorgungsunternehmen Energy Northwest.
Zugleich bleibt der Bau kommerzieller Reaktoren ein noch offenes Kapitel: Zwar begann 2025 die Konstruktion einer TRISO‑Brennstofffertigungsanlage in Oak Ridge, Tennessee, doch X‑energy hat bislang keinen kommerziellen Reaktor in Bau gegeben. Vor diesem Hintergrund sehen Investoren in der Debatte um Elektrifizierung und neue kohlenstoffarme Energiequellen ein wachsendes Interesse an fortschrittlichen Reaktorkonzepten, was das starke IPO‑Debüt mitgestaltete.