You’re not one of us, are you?: Ukrainischer Soldat überlebt zwei Wochen in russischem Schützengraben
Nach einem Drohnen- und Mörserangriff floh der Soldat in einen feindlichen Unterstand, wurde dort festgehalten und überlebte 14 Tage, bis seine Einheit ihn für vermutlich tot erklärte.
Nach Angaben eines Augenzeugenberichtes begann das Drama unmittelbar nach Lietunovs Eintreffen an der Front. Kamikaze‑Drohnen und Mörser beschossen das Feldlager über Stunden; nach jedem Treffer reparierten Lietunov und ein Kamerad, Sasha, notdürftig den Unterstand. Als eine Mine das Dach ihres Schutzraums wegriss, wurde Sasha schwer verwundet. Lietunov versuchte, ihn zu retten, fand ihn jedoch tot und flüchtete an die Oberfläche, wo er in Richtung vermeintlicher Verbündeter rannte und schließlich vor einem mit einer Decke verhängten Eingang stehen blieb.
Zugleich schildert Lietunov das Aufeinandertreffen mit seinem Bewacher: Ein Uniformierter richtete ein Gewehr auf ihn, befahl ihm einzutreten und brachte ihn in einen engen unterirdischen Raum. Der Mann, der sich später als Nikita vorstellte, erklärte, Lietunov sei unbewaffnet, und versprach, ihn am nächsten Morgen freizulassen. Diese Freilassung erfolgte nicht. In den folgenden Tagen schwankte das Verhältnis der beiden zwischen Drohungen, Misstrauen und gelegentlicher Fürsorge; die Anwesenheit des Bewachers entschärfte die unmittelbare Tötungsgefahr nicht vollständig.
Daneben beschreibt Lietunov, wie er sich bewusst an die Psychologie seines Gegners anpasste, um zu überleben. Als 34‑jähriger Korporal nutzte er Kenntnisse aus Jugendlektüren über menschliches Verhalten, gab sich dumm und harmlos, um Vertrauen zu erwecken, während er tatsächliche Schmerzen verbarg. Seine Verletzungen verschlechterten sich; Anzeichen einer Wundinfektion oder Gangrän traten auf, doch er bat nur sporadisch um Linderung. Nahrung war rar; meist beschränkten sich die Vorräte auf sehr kleine Drohnenlieferungen, die kaum für eine angemessene Versorgung reichten.
In den unterirdischen Tagen wurden Routine und Knappheit zum Alltag. Nikita offenbarte Aspekte seiner eigenen Lage: ein Leben unter harten Bedingungen, mangelnde Versorgung und Tragen eines religiösen Kreuzes als Zeichen persönlichen Schutzes. Die Gespräche zwischen Gefangenen und Bewacher reichten von kurzen, misstrauischen Begegnungen bis zu Momenten, in denen Nikita grundlegende menschliche Regungen zeigte. Lietunov wartete dennoch jederzeit auf das Ende; seine Überlebensstrategie blieb Täuschung, Selbstbeherrschung und die Hoffnung auf eine Gelegenheit zur Flucht.
Unterdessen blieb die Frontsituation gefährlich und vom Einsatz ferngesteuerter Sprengsätze geprägt. Lietunovs Einheit ging später davon aus, dass er tot sei. Sein Verbleib im feindlichen Unterstand für zwei Wochen und die Art seines Überlebens werfen ein Schlaglicht auf die Brutalität und die skurrilen Zwischenspiele persönlichen Überlebens in einem Krieg, der zunehmend von Drohnen und Fernangriffen geprägt ist.