23-Jährige berichtet von erniedrigender ICE-Haft und willigte aus Verzweiflung in Abschiebung ein
Eine Frau mit offenem Asylverfahren schildert, sie sei innerhalb von drei Monaten mindestens sechsmal zwischen ICE-Haftzentren verlegt, bei Transfers gefesselt und erniedrigt worden; die Erfahrungen hätten sie zur freiwilligen Rückkehr in ihr südamerikanisches Herkunftsland bewegt.
Nach Angaben der Frau, die aus Sicherheitsgründen anonym als Ana María geführt wird, hatte sie in den USA ein offenes Asylverfahren und eine zunächst stabile Lebenssituation. Sie lebte mit ihrem Freund im Nordosten der Vereinigten Staaten, arbeitete und war in die Gemeinschaft integriert, bis die Ereignisse im Januar alles veränderten.
Im Mittelpunkt der Darstellung steht die Fahrt an die Grenze nach Kanada, wo das Paar um Asyl ersuchte. Die kanadischen Behörden verdächtigten den Freund der Beteiligung am Menschenhandel; er wurde festgenommen, und die Frau wurde an US-Behörden überstellt. Direkt nach ihrer Rücksendung geriet sie in die Obhut von Immigration and Customs Enforcement (ICE) und begann eine Serie von Inhaftierungen.
Nach dem Schritt der Übergabe berichtet sie, innerhalb von drei Monaten mindestens sechs Mal zwischen verschiedenen Haftzentren verlegt worden zu sein. Bei jeder Verlegung seien ihr Handschellen und Fußfesseln angelegt worden; die Fesselungen habe sie als schmerzhaft und einschränkend beschrieben, mit sichtbaren Spuren an Armen und Beinen. Die Transfers führten sie unter anderem in US-Bundesstaaten wie Louisiana, Arizona und Texas.
Zugleich beschreibt sie die Haftbedingungen als belastend: dauerhafte oder sehr helle Beleuchtung, schlechte oder verdorbene Nahrung sowie nächtliche Durchsagen des Personals, die den Schlaf störten. Die Frauen seien oft dicht zusammengebracht worden, und die Behandlung habe sich ihrer Wahrnehmung nach deutlich von der gegenüber Menschen mit strafrechtlichen Verurteilungen unterschieden.
Daneben sagt sie, die Erfahrungen hätten sie so verängstigt und erschöpft, dass sie sich entschloss, einer Rückkehr in ihr Herkunftsland in Südamerika zuzustimmen, obwohl ihr Leben in den USA zuvor stabil gewesen sei. Sie betonte, keine strafrechtliche Vergangenheit in den USA oder in ihrer Heimat zu haben, und beschrieb die Behandlung während der Haft als zutiefst erniedrigend.