Amazon‑Ingenieure in Seattle kritisieren Bau von KI‑Rechenzentren angesichts umfangreicher Entlassungen
Mitarbeiter kritisieren massive Investitionen in KI‑Infrastruktur, während Amazon seit Oktober mehr als 30.000 Konzernstellen streicht; Seattle verhängte ein einjähriges Moratorium für neue Großrechenzentren.
Nach Angaben mehrerer Amazon‑Ingenieure, die vor dem Seattle City Council sprachen, ist das Unternehmen in die Kritik geraten, weil es zugleich groß in KI‑Infrastruktur investiere und Stellen streiche. Die Redner verwiesen auf angekündigte Kapitalausgaben in Höhe von rund 200 Milliarden US‑Dollar in diesem Jahr, von denen ein erheblicher Teil in Rechenzentren und KI‑Projekte fließen solle. Diese Kombination habe bei Beschäftigten und Anwohnern Besorgnis ausgelöst und die Debatte um lokale Kontrolle von Großprojekten befeuert.
Im Mittelpunkt der Sitzung stand die Diskrepanz zwischen den Investitionsplänen und den Personalabbau‑Maßnahmen. Ein Amazon‑Vertreter nannte Zahlen, nach denen das Unternehmen seit Oktober mehr als 30.000 Konzernstellen abgebaut habe. Mehrere Ingenieure argumentierten, dass solche Entlassungen die soziale Verantwortung gegenüber der Stadt infrage stellten und forderten stärkere kommunale Auflagen für große Rechenzentrumsprojekte.
Der Stadtrat in Seattle reagierte und stimmte einstimmig für ein einjähriges Moratorium auf neue großflächige KI‑Rechenzentren, um Zeit für die Ausarbeitung von Regeln zu gewinnen. Die Maßnahme soll der Stadt Gelegenheit geben, Vorgaben für Energie‑ und Wassernutzung sowie für Genehmigungsverfahren zu präzisieren, bevor weitere Großprojekte genehmigt werden.
Unterdessen verteidigte das Unternehmen seine Stellungnahme, wonach derzeit keine Pläne bestünden, innerhalb der Stadtgrenzen Rechenzentren zu bauen. Es betonte zugleich laufende Bemühungen, bestehende Anlagen energie‑ und wassereffizienter zu betreiben, sowie Ziele zur Rückgabe von Wasser an Gemeinden und zur stärkeren Ausrichtung auf kohlenstofffreie Energiequellen bis 2030.
Daneben reiht sich die Debatte in Seattle in eine nationale Auseinandersetzung über die schnelle Ausweitung von KI‑Rechenzentren ein. Hohe Kapitalausgaben der großen Technologiekonzerne für Infrastruktur stoßen zunehmend auf lokalen Widerstand und haben in mehreren Regionen zu Verzögerungen und Prüfungen von Projekten geführt.