Erste Anklägerin hofft, Verurteilung des Priesters in Texas schütze künftige Opfer
Die erste öffentlich auftretende Anklägerin des verurteilten Priesters Anthony Odiong kritisiert kirchliche Stellen für unterlassene Maßnahmen und begrüßt das Jury‑Urteil in Waco.
Nach Angaben der ersten öffentlich auftretenden Anklägerin hat die jüngste Verurteilung des römisch‑katholischen Priesters Anthony Odiong in Waco, Texas, neue Hoffnung geweckt, dass er künftig keine Frauen mehr missbrauchen kann. Hadassah Doe erklärte, sie sei dankbar, dass die Jury die Beweise angehört und «die Wahrheit» erkannt habe; zugleich äußerte sie die Hoffnung, Odiong werde nicht länger «den Glauben als Netz, Falle und Mittel zur Manipulation aktueller und künftiger Opfer» nutzen.
Im Mittelpunkt des vier Tage dauernden Prozesses standen Vorwürfe wiederholter sexueller Übergriffe im Erwachsenenalter durch einen Geistlichen. Odiong wurde schuldig gesprochen wegen erster und zweiter sexueller Nötigung in Verbindung mit zwei Frauen, die in den Gerichtsunterlagen als Mary Doe und Jane Doe geführt wurden. Die Anklagen basierten auf Aussagen, wonach der Angeklagte sein Amt als Seelsorger unter anderem dazu missbraucht habe, sexuelle Handlungen zu erzwingen beziehungsweise zu erzwingen versuchen.
Zugleich machte Hadassah Doe geltend, dass kirchliche Stellen, darunter Verantwortliche in Südost‑Louisiana, sowie staatliche Behörden nicht ausreichend reagiert hätten, als sie sich 2019 an sie wandte. Sie berichtete, die Hotline des Erzbistums New Orleans für Missbrauchsopfer kontaktiert und später mit einem Ermittler der zuständigen Sheriff‑Behörde in Luling gesprochen zu haben; dieser habe ihren Schilderungen zufolge geurteilt, es handle sich um eine persönliche Beziehung, die in Louisiana nicht strafbar sei. Weder staatliche Stellen noch die Kirche in Louisiana hätten daraufhin Maßnahmen ergriffen, hieß es.
Parallel bestätigten weitere Frauen Elemente von Hadassahs Darstellung. Eine als Jane Doe geführte Frau bezeichnete Hadassahs Schilderungen als glaubwürdig und berichtete selbst von einem als Beratung getarnten Machtmissbrauch. Mary Doe wandte sich laut Angaben an die Polizei in Waco und legte dort eine Kopie der Veröffentlichungen zu den Fällen von Hadassah und Jane vor, um ihre Vorwürfe darzulegen.
Während die Klägerinnen ihre Vorwürfe öffentlich machten, wiesen Odiong und sein damaliger Anwalt die Anschuldigungen zurück. Der Anwalt nannte die Darstellungen kategorisch falsch; Odiong selbst bezeichnete eine der Frauen in sozialen Medien als psychisch instabil. Das Urteil der Jury markiert nun einen juristischen Abschluss des Verfahrens, während die betroffenen Frauen auf langfristige Folgen für den Schutz potenzieller Opfer hoffen.