Experten und Aktivisten: US‑Müllverbrennungsanlagen beseitigen PFAS nicht zuverlässig
Ein Branchenbericht aus Minnesota spricht von 99,6% Reduktion, Kritiker werfen ihm jedoch mangelhafte Daten und irreführende Formulierungen vor und warnen vor Risiken für einkommensschwache Gemeinden.
- Branchendaten über fast vollständige Eliminierung von ‚Forever Chemicals‘ stoßen auf fachliche Einwände
- Kläger haben EPA‑Regeln angefochten.
Nach Angaben von Umweltorganisationen und unabhängigen Fachleuten beseitigen die meisten US‑Müllverbrennungsanlagen PFAS‑Kontamination nicht zuverlässig. Kritiker befürchten, dass die so genannten ‚forever chemicals‘ in die Luft gelangen und besonders Menschen in überwiegend einkommensschwachen Nachbarschaften belasten könnten. Die Kontroverse entzündet sich an der Frage, ob Verbrennung als praktikable technische Lösung für PFAS‑belastete Abfälle taugt.
Im Mittelpunkt der Debatte steht ein Bericht der Minnesota Resources Recovery Association (MRRA), demzufolge Anlagen in Minnesota ihre PFAS‑Emissionen um 99,6% reduziert hätten. Die Studie war als Antwort auf eine Anfrage staatlicher Aufsichtsbehörden erstellt worden und wird von Branchenvertretern als Argument für die Verbrennungstechnik angeführt. Demgegenüber warnen Gegner, dass solche Prozentangaben trügerisch sein können, wenn Grundlagen und Messmethoden fehlen oder verkürzt dargestellt werden.
Zugleich kritisieren die Zero Burn Coalition und unabhängige Verbrennungsexperten den MRRA‑Bericht scharf. Sie bemängeln Annahmen, unvollständige Datengrundlagen, irreführende Sprache und das Ausbleiben geeigneter Tests. In ihren Analysen heißt es, die Studie erzeuge einen falschen Eindruck von Sicherheit, obwohl Emissionen und Mitverschmutzungen weiterhin zu erwarten seien. Aktivisten sehen darin eine Gefahr für die Gesundheit der Anwohner nahe der Anlagen.
Daneben laufen in mehreren Städten Auseinandersetzungen über Müllverbrennungsanlagen, unter anderem in Miami, Philadelphia und Baltimore. Zudem ist eine Klage gegen die US‑Umweltbehörde anhängig, die ein Update der Emissionsvorschriften vorgelegt hatte, das PFAS nicht ausdrücklich einschließt. Kläger und Gesundheitsexperten warnen, dass diese regulatorische Lücke das Risiko für nahegelegene Gemeinden erhöht.
Nach dem Schritt, dass PFAS in zahlreichen Alltagsprodukten eingesetzt werden und sich nicht biologisch abbauen, wächst die Sorge über ihre gesundheitlichen Folgen. Studien bringen die Stoffklasse mit Krebs, Fehlbildungen, geschwächtem Immunsystem, erhöhtem Cholesterin und Nierenschäden in Verbindung. Angesichts neuerer Hinweise darauf, dass Luftwege eine relevante Expositionsquelle sein können, fordern Fachleute strengere Überprüfungen der Verbrennungsverfahren und flächendeckendere Messprogramme.