Federal Reserve hält Leitzinsen unverändert, deutet mögliche Erhöhung vor Jahresende an
In der ersten Sitzung unter Vorsitz von Kevin Warsh beließ das Offenmarktkomitee den Leitzins bei 3,50–3,75 Prozent und legte Projektionen vor, die mehrheitlich einen Anstieg noch in diesem Jahr vorsehen.
- Unveränderte Zinsen, kürzere Erklärung und neue Projektionen prägen die erste Fed-Sitzung unter Kevin Warsh
- die Aktienmärkte reagierten deutlich negativ.
Die Kernentwicklung: Die Federal Reserve hat den Zielbereich für den Leitzins bei 3,50 bis 3,75 Prozent belassen und zugleich signalisiert, dass eine oder mehrere Zinserhöhungen vor Jahresende möglich sind. Die Entscheidung des Offenmarktkomitees fiel einstimmig und markiert die erste Zinssitzung unter dem neuen Fed‑Vorsitzenden Kevin Warsh.
Im Mittelpunkt der Mitteilung stand eine merklich knappere Formulierung als in den Vormonaten. Das Komitee stellte fest, dass die wirtschaftliche Aktivität derzeit in solidem Tempo expandiere, verwies jedoch auf erhöhte Unsicherheit, die teilweise auf den Konflikt im Nahen Osten zurückgeführt wird. Außerdem blieb die Inflation deutlich über dem zwei‑Prozent‑Ziel; Preisschocks in einzelnen Sektoren, darunter Energie,werden als Treiber genannt.
Zugleich veröffentlichte die Fed Projektionen zur künftigen Zinsentwicklung: Neun Mitglieder erwarten mindestens eine Zinserhöhung noch in diesem Jahr. Kevin Warsh war der einzige Vorstandsmitglied, das sich nicht an diesen Projektionen beteiligte. Beobachter sehen in den Zahlen einen deutlichen Stimmungswechsel gegenüber März, als zahlreiche Mitglieder Zinssenkungen für möglich gehalten hatten.
Die Märkte reagierten prompt auf die Signale der Zentralbank. Nach Bekanntgabe der Entscheidung verzeichneten die US‑Aktienbörsen spürbare Verluste; der Dow schloss rund 500 Punkte tiefer, während S&P 500 und Nasdaq jeweils mehr als 1,2 Prozent verloren. Die Fed bekräftigte zugleich ihr Ziel, Preisstabilität zu sichern, angesichts weiterhin erhöhter Inflationsraten.
Daneben zeigen die jüngsten Daten ein heterogenes Bild der Wirtschaftslage: Die Gesamtinflation liegt bei 4,2 Prozent, die Kernrate bei 2,9 Prozent. Der Arbeitsmarkt bleibt vergleichsweise robust mit einer Arbeitslosenquote von 4,3 Prozent; die Stundenlöhne wiesen zuletzt eine saisonbereinigte Verringerung von 0,7 Prozent auf. Diese Mischung aus anhaltend hohem Preisauftrieb und differenzierten Arbeitsmarktindikatoren unterstreicht die schwierige Balance, vor der die Geldpolitik steht.