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Israel bringt zwei Festgenommene der Flottille ins Land – Foltervorwürfe gegen Armee

Nach einem maritimen Einsatz wurden der Spanier Saif Abu Keshek und der Brasilianer Thiago Ávila nach Israel gebracht. Madrid spricht von rechtswidriger Festnahme in internationalen Gewässern; Organisatoren erheben schwere Misshandlungs‑Vorwürfe gegen israelische Sicherheitskräfte.

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Titelbild: Israel bringt zwei Festgenommene der Flottille ins Land – Foltervorwürfe gegen Armee
  • Spanien beruft den israelischen Botschafter ein
  • Organisatoren sprechen von systematischer Misshandlung an Bord eines israelischen Schiffs.

Nach Angaben der israelischen Regierung befinden sich der spanische Aktivist Saif Abu Keshek und der Brasilianer Thiago Ávila in israelischem Gewahrsam und sollen dort zeitnah befragt werden. Das Außenministerium in Jerusalem teilte die Ankunft in sozialen Medien mit, ohne nähere Angaben zum Ort der Landung oder zum Vernehmungsort zu machen.

Im Mittelpunkt der Vorwürfe steht die Behauptung, beide Männer hätten Verbindungen zur Hamas und seien Angehörige oder Unterstützer der «Popular Conference for Palestinians Abroad», die von den USA als Frontorganisation eingestuft wird. Die Regierung kündigte an, beiden Beschuldigten konsularische Zugänge zu gewähren: Abu Keshek soll vom spanischen Konsul in Tel Aviv betreut werden, Ávila von brasilianischen Diplomaten.

Nach dem Schritt, Abu Keshek und Ávila nach Israel zu bringen, reagierte die spanische Regierung mit scharfer Kritik. Außenminister José Manuel Albares erklärte, die Festnahme sei in internationalen Gewässern erfolgt und damit rechtswidrig; seiner Darstellung zufolge hätte Abu Keshek zusammen mit anderen Aktivisten auf Kreta an Land gebracht werden müssen. Madrid berief daraufhin den Leiter der israelischen Botschaft ein und schloss sich einer gemeinsamen Erklärung mit weiteren Staaten an, die das Vorgehen als Verletzung des Völkerrechts verurteilte.

Zugleich erheben die Organisatoren der Global Sumud Flottille deutlich weitergehende Vorwürfe gegen israelische Sicherheitskräfte. Sie behaupten, Abu Keshek und Ávila seien nach der Trennung von den übrigen 174 Festgenommenen an Bord des israelischen Schiffs Nahshon systematisch misshandelt worden; Augenzeugen hätten Schreie an Bord berichtet. Die Initiative bezeichnet das Vorgehen als erhebliche Eskalation und zusätzliches Kriegsverbrechen und meldet, dass bis zu 35 Aktivisten medizinisch versorgt werden mussten.

Inzwischen äußern Familienangehörige Besorgnis über den Zustand der Inhaftierten. Die Ehefrau von Abu Keshek sagte, Angehörige hätten lange keine Informationen über die Verlegung erhalten, und forderte die spanische Regierung auf, sich für seine Freilassung und medizinische Versorgung einzusetzen. Spanien habe zudem konsularische Hilfe für mehrere auf Kreta gelandete Aktivisten organisiert.

Daneben hat der Vorfall juristische und diplomatische Dimensionen: Neben formellen konsularischen Protesten stehen mögliche Überprüfungen der Umstände der Festnahmen und der behaupteten Misshandlungen. Bislang gibt es keine unabhängige Bestätigung der Foltervorwürfe; direkte Kontakte zwischen den Beschuldigten und ihren Konsuln sind nach Regierungsangaben in den kommenden Stunden zu erwarten.