Keine Ausschreibung: 6,9‑Mio.-Dollar‑Auftrag für Färbung des Reflecting Pool an Firma mit Verbindungen zu Trump
Ohne Wettbewerb erhielt ein Unternehmen mit früheren Verbindungen zu Trumps Golfanlage den Auftrag, das Lincoln‑Memorial‑Becken blau zu streichen. Experten warnen, die Maßnahme behebe nicht die Filtrations‑ und Leckprobleme.
- Die Verwaltung vergab einen 6,9‑Mio.-Dollar‑Auftrag per Ausnahmebestimmung
- Umweltexperten sehen darin keine nachhaltige Lösung für Algen und Leckagen.
Nach Angaben lokaler Medien erhielt Atlantic Industrial Coatings aus New Canton, Virginia, am 3. April den Auftrag über 6,9 Millionen US‑Dollar, den Reflecting Pool vor dem Lincoln Memorial blau zu streichen. Der Vertrag sei ohne öffentliche Ausschreibung vergeben worden; die Regierung nutzte demnach eine Ausnahmeregelung, die vorgesehen sei, wenn andernfalls ein ernster Schaden für die Verwaltung drohe.
Im Mittelpunkt der Kritik steht die Verbindung des Auftragnehmers zum Umfeld des Präsidenten: Das beauftragte Unternehmen arbeitete zuvor an Renovierungsarbeiten an einem Schwimmbecken auf Trumps Golfgelände in Virginia. Unternehmensunterlagen zeigten laut Berichten keine vorherigen Bundesaufträge; ein Miteigentümer, Curtis Wood, lehnte eine Stellungnahme ab. Ein Sprecher des Weißen Hauses bezeichnete die Maßnahme als Teil eines schnellen Wiederherstellungsprojekts vor den Feierlichkeiten zum 250. Jahrestag der USA.
Zugleich äußerten Kritiker Bedenken sowohl gegen das Vergabeverfahren als auch gegen die Wirksamkeit der Maßnahme. Vertreter von Arbeitnehmer‑ und Umweltorganisationen werfen der Regierung vor, durch schnelle, nicht‑öffentliche Vergaben Freunde und Geschäftspartner zu bevorzugen. Fachleute für Wasseranlagen betonen zudem, dass das bloße Streichen des Beckens die grundlegenden technischen Mängel nicht behebe: Der Reflecting Pool, 1922 angelegt, ist flach, zwischen 18 und 30 Zoll tief, verfügt über kein natürliches Fließgewässer und neigt in Hitzeperioden zu massiven Algenblüten.
Daneben verliert das Becken jährlich schätzungsweise 16 Millionen Gallonen Wasser durch Lecks, ein Problem, das wiederkehrende Kosten verursacht. Frühere Reparaturversuche schlugen sich in hohen Ausgaben nieder: Medienberichten zufolge gab die Verwaltung unter Präsident Obama mehr als 35 Millionen Dollar für Sanierungsversuche aus, ohne das Problem dauerhaft zu lösen. Die Biden‑Regierung reduzierte die Maßnahmen darauf, den Pool jährlich zu entleeren und neu zu befüllen.
Inzwischen warnen Aquatikspezialisten, dass eine neue Farbschicht auf dem Beckenboden weder Algenwachstum noch bauliche Filtrationsdefizite behebe. Eine sofortige technische Inspektion und gezielte Sanierungsarbeiten seien angezeigt, um die Ursachen von Trübungen und Verlusten dauerhaft zu beseitigen, statt allein auf eine kosmetische Veränderung zu setzen.