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Kommentar: Krankenkassen als Schattenhaushalt – Reformversuch trifft auf Widerstand aus Finanzministerium

Ein Handelsblatt-Kommentar kritisiert, dass jährlich rund zehn Milliarden Euro für Gesundheitskosten von Bürgergeldempfängern aus Kassenbeiträgen statt aus dem Bundeshaushalt getragen werden. Gesundheitsministerin Warken wird für ihren Reformansatz gelobt, Finanzminister Klingbeil als Blockierer benannt.

Handelsblatt-Kommentar 2 Min Lesezeit
Titelbild: Kommentar: Krankenkassen als Schattenhaushalt – Reformversuch trifft auf Widerstand aus Finanzministerium
Die Debatte richtet den Blick auf die Verlagerung sozialer Kosten in die Beitragsfinanzierung und auf das Verhalten des Finanzministeriums.

Nach Angaben des Handelsblatt-Kommentars offenbart die aktuelle Diskussion um steigende Krankenkassenbeiträge einmal mehr die vertrauten Muster deutscher Gesundheitspolitik: Viel Leidenschaft für Nebenschauplätze, erhebliche Scheu vor den großen Hebeln des Systems. Es werde über Homöopathie, Familienmitversicherung und Beitragsbemessungsgrenzen gestritten, während grundlegende Finanzierungsfragen kaum berührt würden.

Im Mittelpunkt der Kritik steht dem Kommentar zufolge Gesundheitsministerin Nina Warken. Dass sie einen umfassenden Reformversuch starte, der niemanden schone, werde als mutiger Schritt gewertet; die sofortige Entrüstung aus Politik und Verbänden spreche jedoch dafür, dass Warken zentrale Strukturen des Systems anfasse. Würde nur die Hälfte ihrer Vorschläge umgesetzt, zähle das schon als bedeutender Fortschritt, so der Tenor.

Zugleich richtet sich die Kritik ausdrücklich gegen Bundesfinanzminister Lars Klingbeil. Dem Kommentar zufolge blockiere das Finanzministerium notwendige Schritte zur Entlastung der Beitragszahler und ziehe sich damit faktisch aus seiner Verantwortung zurück. Während von vielen Seiten Opfer und Einschnitte verlangt würden, bleibe ausgerechnet das Finanzministerium unbeweglich und lasse so Reformen an entscheidenden Punkten scheitern.

Daneben benennt der Text einen konkreten finanziellen Blindfleck: rund zehn Milliarden Euro jährlich, mit denen die Gesundheitskosten von Bürgergeldempfängern derzeit aus Beitragsmitteln statt aus dem Bundeshaushalt gedeckt würden. Diese Auffassung untermauere die Forderung, Sozialkosten stärker aus Steuermitteln zu finanzieren, damit die Beitragsbelastung der Versicherten sinke.

In der Schlussbetrachtung betont der Kommentar, dass schon die Umsetzung eines Teils der vorgeschlagenen Maßnahmen spürbare Entlastung bringen würde. Ohne Unterstützung aus dem Finanzministerium blieben solche Schritte jedoch kaum durchsetzbar; die Gefahr bestehe, dass Reformansätze an politischem Widerstand und struktureller Blockadepolitik zerschellen. Damit stimme die Debatte wiederholt mit den eingangs beschriebenen Mustern überein.