Kommentar: Trumps Angriffe treiben Großbritannien zurück zur EU, sagt Handelsblatt
Trumps Angriffe und die Folgen des Irankriegs treiben Premierminister Keir Starmer zu einem Kurswechsel: Großbritannien sucht deutlich engere Beziehungen zur EU und distanziert sich zunehmend von Washington.
Nach Angaben des Handelsblatt-Kommentars jährt sich Ende Juni das Brexit‑Referendum zum zehnten Mal, dessen knappe Mehrheit damals den Austritt Großbritanniens aus der EU besiegelte. Während Donald Trump den Schritt einst als Signal für eine Zerreißprobe Europas feierte, präsentiert sich das Land heute in veränderter Lage: Ausgerechnet die politischen Angriffe des US‑Präsidentschaftsinhabers tragen nun zu einer strategischen Neuorientierung bei.
Im Mittelpunkt der Analyse steht die Wirkung dieser Angriffe kombiniert mit der sicherheitspolitischen Zuspitzung durch den Krieg im Iran. Diese Kombination habe den Druck auf die britische Regierung erhöht und Prime Minister Keir Starmer dazu veranlasst, seine außenpolitische Priorität neu zu ordnen. Die Folge sei eine stärkere Annäherung an die EU, die vor wenigen Jahren politisch kaum vorstellbar gewesen wäre.
Zugleich habe Starmer seinen Ton gegenüber Washington merklich verändert und klar gemacht, dass Londons langfristiges Interesse in engeren Beziehungen zu europäischen Nachbarn liege. Der Kommentar hebt hervor, dass volatile Energiepreise und die Einflüsse externer Akteure auf die Versorgungslage den Handlungsdruck in Richtung Brüssel verstärkten und damit die außenpolitische Gewichtung Großbritanniens verschoben.
Inzwischen verhandeln London und Brüssel seit rund einem Jahr über einen Neustart ihrer Beziehungen. Bisher verfolgte Großbritannien eine Doppelstrategie: enge Zusammenarbeit mit der EU bei gleichzeitiger Pflege besonderer Beziehungen zu den Vereinigten Staaten. Starmer hatte sich bislang geweigert, sich eindeutig zwischen Europa und Amerika zu entscheiden; diese Zurückhaltung habe sich nun aufgelöst.
Daneben bewertet der Kommentar die Neuausrichtung als eine der weitreichendsten politischen Konsequenzen des Irankriegs für Großbritannien. Die Verschiebung betreffe nicht nur außenpolitische Prioritäten, sondern auch wirtschaftliche Fragen, weil stabilere Partnerschaften in Europa als geeignetes Mittel gegen volatile Energiemärkte und geopolitische Unsicherheiten gelten. Insgesamt zeichnet die Analyse das Bild eines Landes, das nach Jahren der Ambivalenz bewusst auf engere Verflechtungen mit Europa setzt.