Milchpreis unter Druck: Molkereien und Milchverband sehen Bauern in Existenzgefahr
Europäische Milchmenge steigt, Preise fallen – Verband kritisiert Rabattaktionen und warnt vor Wertverlust bei Butter.
Nach Angaben aus Branchenkreisen wächst das Milchangebot in Europa, während die Marktpreise deutlich unter Druck geraten sind. Diese Entwicklung belastet nicht nur die Verarbeiter, sondern trifft nach Einschätzung von Verbandsvertretern vor allem die Milchproduzenten, deren Betriebsbilanzen zunehmend gefährdet erscheinen.
Im Mittelpunkt der Kritik steht die Praxis vieler Supermärkte, Butter und andere Milchprodukte regelmäßig mit Rabattaktionen zu versehen. Helmut Petschar, Präsident des Milchverbands, spricht in diesem Zusammenhang von einer ‚Wertevernichtung‘ bei Butterprodukten und fordert ein Ende rabattgetriebener Verkäufe, die den Preisverfall nach seiner Darstellung weiter antreiben.
Zugleich warnen Molkereien, dass die Margen entlang der gesamten Wertschöpfungskette schrumpfen. Kurzfristige Promotions erhöhten zwar die Absatzmengen, stabilisierten aber nicht die Erzeugerpreise; das führe dazu, dass viele Produzenten kaum noch kostendeckend arbeiten könnten und ihre wirtschaftliche Lage sich weiter verschlechtere.
Daneben hebt der Milchverband die Bedeutung stabiler Erzeugerpreise für die Landwirtschaft und den ländlichen Raum hervor. Sinkende Preise wirkten sich unmittelbar auf Betriebsergebnisse und die Investitionsfähigkeit der Höfe aus, weshalb Branchenvertreter eine verantwortungsvollere Preisgestaltung entlang der Kette fordern.
Gleichzeitig rufen Vertreter der Molkereiwirtschaft zu stärkerer Abstimmung zwischen Erzeugern, Verarbeitern und Handel auf, um Preisschwankungen abzufedern. Insgesamt zeichnet die Branche das Bild eines angespannten Marktes: Mehr Angebot bei gleichzeitigem Preisrückgang setzt die traditionelle Milchproduktion wirtschaftlich unter Druck und löst Forderungen nach einem differenzierteren Umgang mit Preisaktionen im Einzelhandel aus.