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Ökonomen legen Agenda des Aufbruchs vor: Um-Industrialisierung statt Branchenrettung

Markus Brunnermeier und Stefan Kolev plädieren für eine gezielte Neuaufstellung der Industrie auf KI, Biotechnologie und Quantencomputing und fordern zugleich tiefgreifende Änderungen bei Arbeitsmarkt und Sozialstaat.

Julian Olk (Handelsblatt, eingesehen von JKCM News) 2 Min Lesezeit
Titelbild: Ökonomen legen Agenda des Aufbruchs vor: Um-Industrialisierung statt Branchenrettung
Die Ökonomen warnen davor, bestehende Branchen künstlich zu bewahren, und schlagen vor, industrielle Kompetenzen systematisch für Zukunftstechnologien umzuschichten.

Nach Angaben des Handelsblatts haben die Ökonomen Markus Brunnermeier und Stefan Kolev eine »Agenda des Aufbruchs« vorgelegt, die eine umfassende Modernisierung der deutschen Wirtschaft verlangt. Im Mittelpunkt steht das Konzept einer Um-Industrialisierung: vorhandene industrielle Fähigkeiten sollen gezielt auf Wachstumsfelder wie Künstliche Intelligenz, Biotechnologie, Quantencomputing und neuartige Werkstoffe übertragen werden, um Raum für Geschäftsmodelle zu schaffen, die heute zum Teil noch nicht existieren.

Zugleich fordern die Autoren einen Paradigmenwechsel im Arbeitsrecht. Kündigungsschutz und arbeitsrechtliche Regelungen dürften sich nicht darauf konzentrieren, jeden individuellen Arbeitsplatz dauerhaft zu sichern, heißt es in der Agenda. Stattdessen solle ein Arbeitsmarktmodell gefördert werden, das Mobilität und Umschulung stärker belohnt und Beschäftigte aktiv in neue, zukunftsträchtige Tätigkeiten überführt.

In der vorgeschlagenen Neuausrichtung des Sozialstaats sollen Leistungslogiken umgedacht werden: Nicht das Festhalten an bisherigen Beschäftigungsverhältnissen, sondern die sichere Überführung in neue Arbeitsverhältnisse soll im Vordergrund stehen. Daneben sehen die Ökonomen Anpassungen in der Rentenpolitik vor; das Renteneintrittsalter solle an die Lebenserwartung gekoppelt und pauschale Rentenerhöhungen kritisch hinterfragt werden, um den Wechsel in neue Erwerbsfelder ökonomisch zu erleichtern.

Die Verfasser bringen industrielle Neuaufstellung, flexiblere arbeitsrechtliche Rahmen und einen umorientierten Sozialstaat als zusammenhängendes Reformpaket vor und verbinden damit das Ziel, Deutschlands Wettbewerbsfähigkeit langfristig zu sichern. Gleichzeitig adressiert ihre Agenda die strukturellen Probleme etablierter Industriestandorte, ohne detaillierte Maßnahmen für einzelne Regionen oder Branchen vorzuschlagen; der Fokus liegt auf einem strategischen Umbau industrieller Kapazitäten hin zu zukunftsfähigen Technologien.