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Proteste in Irland und Großbritannien wegen stark gestiegener Energiepreise

Bauern und Fernfahrer blockieren Zufahrten, Irlands Regierung setzt Militär zum Schutz von Versorgungswegen ein; Kraftstoff- und Heizölpreise stiegen um rund 40 Prozent.

Handelsblatt 2 Min Lesezeit
Titelbild: Proteste in Irland und Großbritannien wegen stark gestiegener Energiepreise
  • Zahlreiche Tankstellen rationieren Benzin und Diesel
  • Premier Micheál Martin übersteht Misstrauensvotum, Staatssekretär Healy‑Rae tritt zurück.

Nach Angaben aus London und Dublin protestieren derzeit Bürger in Irland und Großbritannien gegen die massiv gestiegenen Energiepreise. In Nordirland setzten Landwirte und Fernfahrer Traktoren und Lkw ein, um unter anderem die Zufahrt zum Flughafen Belfast zu blockieren. In der Republik Irland hatten Landwirte bereits in der vorigen Woche Straßen und den Zugang zur einzigen Raffinerie des Landes lahmgelegt, was die Versorgungslage weiter verschlechterte.

Im Mittelpunkt der Unruhen stehen die stark gestiegenen Kosten für Benzin, Diesel und Heizöl. Die Preise legten demnach um fast 40 Prozent zu, woraufhin es in Irland an zahlreichen Tankstellen zu Engpässen kam und Betreiber mit Rationierungen begannen. Die Regierung in Dublin reagierte, indem sie das Militär zur Sicherung von Versorgungswegen einsetzte, um die Lieferketten offen zu halten und eine weitere Zuspitzung der Lage zu verhindern.

Nach dem Schritt folgten auch politische Erschütterungen: Premierminister Micheál Martin überstand ein Misstrauensvotum, zugleich trat Michael Healy‑Rae, Staatssekretär im Landwirtschaftsministerium, zurück. Healy‑Rae begründete seinen Rücktritt damit, die Regierung habe die Interessen der Bauern nicht ausreichend vertreten. Zuvor hatte die Mitte‑Rechts‑Koalition ein Hilfspaket mit einem Volumen von 750 Millionen Euro angekündigt, um den Preisdruck zu dämpfen.

Zugleich wächst die Sorge, dass sich die Proteste ausweiten könnten. Für die kommenden Wochen haben Bürgerinitiativen in Großbritannien ähnliche Aktionen in London und anderen Regionen angekündigt; Sprecher gaben an, mit Landwirten und anderen Gruppen in Kontakt zu stehen, um Proteste zu koordinieren. In London wurden gezielte Heizölhilfen für besonders betroffene Haushalte genehmigt, während über eine mögliche Verschiebung oder Überprüfung einer für September geplanten Kraftstoffsteuererhöhung diskutiert wird.

Daneben trifft die Lage Irland und Großbritannien besonders hart, weil beide Länder stärker als viele andere in Europa auf Energieimporte angewiesen sind. Die Blockade der Straße von Hormus verschärft die Versorgungssituation zusätzlich, wodurch die Proteste nicht nur wirtschaftliche, sondern auch politische Folgen haben könnten. Beobachter warnen, dass Mobilisierungen der Landwirte, die in der Region historisch bereits starke Auswirkungen hatten, die öffentliche Versorgung weiter beeinträchtigen und den politischen Druck auf die Regierungen weiter erhöhen könnten.