Bank of Thailand senkt Leitzins überraschend auf 1,00 Prozent
Die thailändische Notenbank reagiert mit einer Zinssenkung auf unterdurchschnittliche Wachstumsperspektiven und steigende Abwärtsrisiken für die Inflation.
- Das MPC senkt den Policy Rate um 25 Basispunkte von 1,25 auf 1,00 Prozent.
- Die Abstimmung fällt 4 zu 2, der Schritt gilt sofort.
- Die Notenbank sieht Wachstum 2026/27 unter Potenzial und die Kreditvergabe weiter rückläufig.
- Ein starker Baht und begrenzte Nachfrage drücken auf Exporte, Tourismus sowie die Liquidität von Haushalten und KMU.
- Die nächste Zinsentscheidung ist für den 29. April angesetzt.
Thailand hat einen überraschenden geldpolitischen Schritt gesetzt: Der geldpolitische Ausschuss (MPC) der Bank of Thailand senkte am 25. Februar den Leitzins (Policy Rate) um 25 Basispunkte von 1,25 auf 1,00 Prozent. Die Entscheidung fiel mit 4 zu 2 Stimmen, zwei Mitglieder plädierten für eine unveränderte Rate. Die Zinssenkung gilt laut Notenbank mit sofortiger Wirkung.
In der Begründung zeichnet die Bank of Thailand ein Bild einer Erholung, die zwar zum Jahresende 2025 stärker ausfiel als zuvor eingeschätzt, aber im Kern unter Potenzial bleibt. Für 2026 und 2027 erwartet sie ein ungleichmäßiges Wachstum über die Sektoren hinweg, beeinflusst durch strukturelle Hemmnisse und intensiveren Wettbewerb. Zugleich sieht die Notenbank wachsende Abwärtsrisiken für die Inflation: Sinkende Energiepreise, mögliche zusätzliche staatliche Maßnahmen und begrenzte Nachfrageimpulse könnten den Preisdruck dämpfen.
Auch die Finanzierungsbedingungen sind ein Faktor. Nach Einschätzung der Notenbank kontrahiert die Kreditvergabe weiterhin, während der Baht aufwertet und die Liquidität bei kleinen und mittleren Unternehmen sowie bei Haushalten angespannt bleibt. Die Mehrheit im MPC argumentierte, eine niedrigere Policy Rate solle die finanziellen Bedingungen stützend halten, Schuldenlasten vor allem bei KMU und Haushalten mindern und zugleich mittelfristige Inflationserwartungen in einem Umfeld erhöhter Abwärtsrisiken verankern.
Die beiden abweichenden Stimmen verwiesen dagegen auf die laufende Transmission früherer Zinssenkungen in die Realwirtschaft und hielten den bisherigen Kurs bereits für konsistent mit dem Inflations- und Wachstumsausblick. Zusätzlich betonten sie die Notwendigkeit, mittelfristige Finanzstabilität zu schützen und geldpolitischen Spielraum zu bewahren – insbesondere, weil Unsicherheiten im außenwirtschaftlichen Umfeld hoch bleiben.
Der Außenwert des Baht spielt dabei eine sichtbare Rolle: Die Währung hat seit Jahresbeginn gegenüber dem US-Dollar erneut zugelegt, nach einem kräftigen Anstieg im Vorjahr. Das belastet nach Einschätzung von Beobachtern vor allem exportorientierte Branchen und Teile des Tourismus, weil sich Preise in Fremdwährung verteuern. In diesem Umfeld wird die Senkung auch als Versuch gelesen, die realwirtschaftliche Anpassung zu unterstützen, ohne die Risiken für Finanzstabilität aus dem Blick zu verlieren.
Am Markt kam der Schritt unerwartet: In Umfragen hatten nur wenige Ökonomen mit einer Senkung gerechnet. Gleichzeitig verweist die Notenbank darauf, dass geldpolitische Lockerung strukturelle Wachstumsprobleme nicht alleine lösen kann. Gefordert seien ergänzende Maßnahmen zur Steigerung von Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit sowie zielgerichtete Finanzierungsinstrumente. Die nächste reguläre Zinsentscheidung des MPC ist für den 29. April angesetzt.