Thüringens Verfassungsschutz: Russische Liste mit Drohnenfirmen als gezielte Drohstrategie
Die Nennung europäischer Drohnenfirmen, darunter Standorte in Deutschland, stuft Thüringens Verfassungsschutzchef als gezielte Einschüchterungsstrategie ein und warnt vor erhöhten Risiken für betroffene Unternehmen.
- Stephan Kramer sieht in der Liste ein Instrument hybrider Einflussnahme mit psychologischer Zielrichtung
- physische Angriffe hält er für möglich, aber nicht als wahrscheinliches Hauptszenario.
Nach Angaben des Thüringer Verfassungsschutzes wertet dessen Leiter Stephan Kramer die Veröffentlichung einer russischen Liste europäischer Drohnenfirmen, in der auch deutsche Standorte genannt werden, als bewusstes Instrument der Einschüchterung. Im Gespräch mit dem Handelsblatt bezeichnete Kramer die Aktion als Teil hybrider Einflussnahmen, die vor allem psychologische Wirkung entfalten sollen. Ziel sei es, Druck auf Unternehmen auszuüben und Unsicherheit in sensiblen Branchen zu schüren.
Im Mittelpunkt seiner Einordnung steht die Einschätzung, dass das Gefährdungsniveau für die aufgelisteten Firmen gestiegen ist. Kramer nennt eine Bandbreite möglicher Bedrohungen: gezielte Cyberangriffe und Ausspähmaßnahmen, koordinierte Desinformationskampagnen sowie direkte Drohkommunikation gegenüber Unternehmen und einzelnen Mitarbeitenden. Solche Kampagnen könnten operative Abläufe stören und die Fähigkeit der Betriebe beeinträchtigen, schnell und sicher zu entscheiden.
Zugleich wies Kramer darauf hin, dass physische Angriffe zwar nicht ausgeschlossen werden können, nach seiner Einschätzung aber nicht das vorherrschende Szenario darstellen. Vor diesem Hintergrund forderte er betroffene Unternehmen dazu auf, ihre Sicherheitsvorkehrungen zu überprüfen und zu verstärken. Empfohlen werden neben IT-Schutzmaßnahmen auch eine Sensibilisierung für Desinformationsversuche, klare interne Kommunikationsprozesse und abgestimmte Krisenreaktionspläne.
Daneben betonte Kramer, dass die Veröffentlichung der Liste politische Debatten über den Schutz kritischer Branchen anheize. Die zunehmende Verunsicherung könne wirtschaftliche Folgen haben, etwa durch geänderte Investitionsentscheidungen oder angepasste Lieferkettenplanungen. Sein Ziel ist es, durch präventive Maßnahmen sowie eine engere Abstimmung zwischen staatlichen Stellen und der Industrie die Verwundbarkeit sensibler Unternehmen zu reduzieren und die Handlungsfähigkeit gegenüber hybriden Gefährdungen zu stärken.