US-Militär greift weiteres Boot im Ostpazifik an – drei Tote, Gesamtzahl über 200
Southern Command beschreibt Schlag gegen ein mutmaßliches Drogenschmuggler-Schiff, liefert jedoch keine Belege; Menschenrechtsgruppen warnen vor möglichen Rechtsverletzungen.
- Dritter Schlag in einer Woche: Militär nennt Drogenschmuggel als Motiv
- Kritiker bemängeln fehlende Beweise und rechtliche Grundlage.
Nach Angaben des US Southern Command hat das Militär am Freitag erneut ein Boot im östlichen Pazifik angegriffen. Bei dem Angriff seien drei Männer getötet worden, teilte die Kommandobehörde auf der Plattform X mit. Es handelte sich demnach um den dritten Schlag innerhalb einer Woche; Southern Command stellte das Vorgehen als Teil einer laufenden Kampagne gegen angebliche Drogenboote dar.
Im Mittelpunkt der Mitteilung stand die Behauptung, das angegriffene Schiff sei in Narco‑Trafficking‑Operationen tätig gewesen und von einer als terroristisch eingestuften Organisation betrieben worden. Zugleich wies die Behörde keine belegenden Informationen zu dieser Verbindung aus. Die Anordnung für den Einsatz sei von General Francis L. Donovan ergangen, dem ranghöchsten US‑Kommandeur für Lateinamerika; Donovan habe am selben Tag kubanische Militärvertreter in der Nähe der US‑Marinebasis in Guantánamo Bay getroffen, hieß es weiter.
Daneben veröffentlichte die Militärbehörde Videomaterial des Angriffs, in dem kurz ein kleines Boot zu sehen ist, das von einer Explosion erfasst und von einer Feuerkugel verschlungen wird. Im Anschluss zeigt das Material ein brennendes Wrack, umgeben von einer Ansammlung offenbar verteilter Pakete oder Gegenstände auf der Wasseroberfläche. Southern Command nutzt solche Aufnahmen regelmäßig in seinen Ankündigungen; in diesem Fall wurde das Video erstmals in Farbe verbreitet.
Gleichzeitig erhöht der jüngste Schlag die von der Kommandobehörde genannte Gesamtzahl der Toten aus der Reihe der US‑Angriffe, die nach deren Angaben Anfang September begonnen haben, auf 202. Internationale Menschenrechtsorganisationen und zivilgesellschaftliche Gruppen reagierten mit scharfer Kritik: Human Rights Watch und Amnesty International bezeichneten die Angriffe als potenziell rechtswidrige außergerichtliche Tötungen, die American Civil Liberties Union monierte unbelegte, angsterzeugende Behauptungen gegen die Getroffenen.
Inzwischen fehlen in der militärischen Erklärung detaillierte Nachweise, die die behauptete Verbindung der getroffenen Boote zum Drogenhandel stützen. Unabhängige Bestätigungen der Umstände des Angriffs oder der Identität der Getöteten liegen nicht vor, sodass zentrale Fragen zur rechtlichen Grundlage und zu den operativen Abläufen der Einsätze offenbleiben.