Virginia stimmt über neue Kongresswahlkreise ab – Kontrolle des Repräsentantenhauses steht auf dem Spiel
Referendum könnte eine Delegation mit sechs Demokraten und fünf Republikanern in ein Gremium verwandeln, in dem Demokraten künftig fast alle Sitze halten.
Nach Angaben von Wahlbeobachtern entscheiden die Wähler in Virginia über eine Verfassungsänderung, die die Neuaufteilung der Kongresswahlkreise bis zur Volkszählung 2030 an einen als nichtparteilich beschriebenen Prozess binden würde. Befürworter argumentieren, die Änderung könne die Chancen der Demokraten verbessern und einem bundesweiten Vorgehen der Republikaner gegen die Balance im Repräsentantenhaus entgegentreten.
Im Mittelpunkt der Kampagne steht Gouverneurin Abigail Spanberger, die das Vorhaben unterstützt und es als Reaktion auf Versuche von Donald Trump und republikanischen Legislativmehrheiten bezeichnet, mittels mid‑decade redistricting parteiische Vorteile zu sichern. Aktuell stellt Virginia sechs Demokraten und fünf Republikaner; Anhänger der Änderung rechnen damit, dass neue Grenzen dazu führen könnten, dass Demokraten künftig nahezu alle Sitze in der Delegation halten.
Zugleich hat die Debatte starke Mobilisierung ausgelöst: Mehr als 1,37 Millionen Stimmen wurden vorab abgegeben, und die letzten Wochen vor dem Referendum waren von intensiven Werbeausgaben geprägt. Das Komitee, das die Änderung befürwortet, erhielt nach Angaben aus der Kampagne mehr als 64 Millionen Dollar, während Gegner rund 30 Millionen Dollar sammelten. Prominente Persönlichkeiten schalteten Fernsehspots zugunsten der Ja‑Seite und trugen so weiter zur hohen Aufmerksamkeit bei.
Daneben offenbarten Umfragen ein enges Rennen, in dem vor allem ländliche, tendenziell konservative Wähler Unmut äußerten. Viele fühlten sich durch mögliche Neuaufteilungen benachteiligt, weil sie künftig von Abgeordneten aus den nördlichen Vororten rund um Washington D. C. vertreten würden. Republikanische Kritiker warfen Spanberger vor, während des Wahlkampfs moderate Positionen vorgetäuscht zu haben, um anschließend deutlich nach links zu rücken und das Referendum zu unterstützen.
Inzwischen spitzt sich der Konflikt weiter zu: Das Thema war Auslöser einer Reihe von Klagen und politischer Gegenwehr in mehreren Bundesstaaten, und die Abstimmung in Virginia gilt als wichtiger Test für Strategien beider Parteien im Vorfeld der nächsten Kongresswahlen. Sollte die Verfassungsänderung angenommen werden, würde sie die Neuaufteilung bis zur nächsten Zensusrunde an einen nichtparteilichen Mechanismus binden und damit das bisherige Verfahren grundlegend verändern.