Bis zu 200 Zivilisten nach mutmaßlichem Fehlschlag der nigerianischen Luftwaffe bei Marktangriff getötet
Ein Militärschlag in Yobe traf einen belebten Wochenmarkt und richtete nach Angaben lokaler Quellen schwere zivile Verluste an; Hilfsorganisationen fordern Aufklärung.
- Amnesty International spricht von mindestens 100 Toten, lokale Vertreter nennen bis zu 200 Opfer
- das Militär bezeichnet den Einsatz als Schlag gegen ein «Terroristenlager».
Nach Angaben lokaler Vertreter und Hilfsorganisationen traf ein Luftangriff der nigerianischen Luftwaffe einen Wochenmarkt im Nordosten des Landes und forderte zahlreiche zivile Opfer. Ein örtlicher Häuptling nannte eine Zahl von bis zu 200 Toten, während Amnesty International auf Basis von Aussagen Überlebender von mindestens 100 Todesopfern berichtete. Überlebende und Krankenhausteammitglieder waren demnach unter den Quellen, die die Notlage bestätigten.
Im Mittelpunkt der Berichte steht der Ort des Geschehens: Der Angriff ereignete sich am Samstag nahe der Grenze zum Bundesstaat Borno, der seit Jahren als Zentrum des Aufstands gilt. Die Regierungsstelle des Bundesstaates Yobe erklärte, die Militäraktion habe eine vermutete Stellung von Boko-Haram-Kämpfern zum Ziel gehabt und dabei Menschen getroffen, die den Jilli-Wochenmarkt besucht hätten. Offizielle Angaben zum Ablauf blieben vage; es wurde ein Fehlschlag bestätigt, ohne nähere Details zum Zeitpunkt oder zur Angriffsplanung zu nennen.
Zugleich meldeten medizinische Mitarbeiter in Geidam zahlreiche Verletzte; mindestens 23 Menschen würden im General Hospital behandelt, teilte ein Angestellter mit, der aus Sicherheitsgründen anonym blieb. Amnesty International erklärte, man verfüge über Bildmaterial von Opfern, darunter Kinder, und habe mit Betroffenen sowie Krankenhauspersonal gesprochen. Hilfsorganisationen fordern vor diesem Hintergrund eine unabhängige Untersuchung des Vorfalls, um die Umstände der zivilen Verluste zu klären.
Daneben gibt es widersprüchliche Darstellungen zur Zielgenauigkeit der Mission: Das Militär sprach in einer Mitteilung von einem erfolgreichen Schlag gegen ein «Terroristenlager und Logistikzentrum» und behauptete, zahlreiche Kämpfer seien getötet worden. Zivilsicherheitsquellen hingegen berichteten, es habe Hinweise auf Terrormilizen in der Nähe des Marktes gegeben, die in der Region aktiv seien. Beobachter verweisen auf wiederkehrende zivile Verluste bei Luftangriffen und sehen als beitragende Faktoren mangelhafte Aufklärung sowie unzureichende Koordination zwischen Boden- und Luftkräften.
Unterdessen haben Menschenrechtsorganisationen und lokale Verantwortliche die Dringlichkeit betont, solche Vorfälle unabhängig zu untersuchen. Sie verweisen auf frühere Fälle ähnlicher Angriffe, bei denen seit 2017 Berichten zufolge bereits viele Zivilisten durch Fehlschläge ums Leben gekommen sein sollen, und fordern klare Aufklärungsschritte, um künftige zivile Opfer zu verhindern.